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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 3 (Sa, 18.4.2026) Von Villanueva de la Concepción nach Antequera (16,7 km)
Heute bin ich wieder zeitig aufgestanden und habe leise meine Sachen gepackt, weil die Damen noch schliefen. Erst als sie Lebenszeichen von sich gaben, habe ich die Mikrowelle angeworfen, um mir Kaffeewasser zu machen. Wasserkocher oder Herd gibt es hier nicht, aber wenigstens etwas Geschirr und Besteck. Der fehlende Herd ist sicher auch Schuld daran, dass vorherige Pilger so viel im Kühlschrank zurückgelassen haben, zum Beispiel Eier, für die mir aber ohne Topf oder Pfanne auch keine Verwendung eingefallen ist. Die große Flasche „Cruzcampo“ habe ich auch nicht angerührt. Das ist ja doch eher was für den Notfall. Fürs Frühstück etwas unüblich habe ich zum Baguette zwei Thunfisch-Büchsen verzehrt. Fisch soll gesund sein!
Kurz nach sieben bin ich los, da waren die Damen noch beim Packen. Das ist in dieser Gegend die Zeit, in der es langsam hell wird. Sonnenaufgang ist hier derzeit um 7.38 Uhr, zuhause um 5.59 Uhr. Schon im Ort ging es stramm bergauf und hinter den letzten Häusern ging es so weiter. Dann schwenkte der Weg nach links und verlief lange Zeit auf halbwegs gleicher Höhe bzw. nur noch moderat ansteigend parallel zu der Felswand hinter Villanueva de la Conceptión. (Ich schreibe das voll aus, weil morgen schon wieder ein „Villanueva“ Etappenziel ist.) Am Ende der Felswand biegt der Weg rechts ab und führt allmählich auf das Plateau, das von der Felswand nach Süden hin begrenzt wird. Es hat Spaß gemacht, dort zu laufen, da die Felsen rechts vom Weg und die Hügel auf der anderen Seite eine schöne Kulisse boten und der Blick in alle Richtungen großartig war. Bald kamen auch noch Schaf- und Kuhherden dazu, die sich das wenige Grünzeug beidseits des steinigen Weges holten. Am aufkommenden Wind war zuerst zu merken, dass ich mich dem Pass nähere. Die Felsen links und rechts rückten näher zusammen und plötzlich bot sich ein Blick auf das Land jenseits der Berge und mittendrin Antequera, mein Tagesziel. Genau hier haben mich die beiden Holländerinnen eingeholt. Wir haben schnell noch Bilder gemacht, dann sind die beiden auch schon weiter gestürmt. Ich habe mir stattdessen einen geeigneten Felsbrocken gesucht und Pause gemacht. Das im Rucksack mitgeschleppte Belohnungsgetränk gab es aber noch nicht hier, sondern erst später am Fuß des Berges, denn der Abstieg war wie erwartet ziemlich anspruchsvoll. Es hat sich zwar mal jemand die Mühe gemacht, die faustgroßen Steine des Weges in Beton zu betten, aber der konnte dem Wetter nicht trotzen, so dass man über Geröll laufen musste. Das habe ich aber ganz gut hinbekommen und nach einer Stunde war ich unten angekommen. Der Blick zurück war großartig und der steile Berghang neben dem Abstieg hatte für einen Flachländler was von „Eiger Nordwand“. Beim Weg in die Stadt, der sich doch noch ziemlich hinzog, fiel der Blick wiederholt zurück auf die Felsen, die majestätisch und bedrohlich zugleich aus der hügeligen Landschaft herausragen. Es ging erst auf einer staubigen Straße und dann ein Stück entlang der ordentlich befahrenen A-7075, auf die ich immer wieder treffe. Die ist hier nicht sonderlich breit und hat keine Randstreifen, so dass man notgedrungen im Bankett laufen und dort über den Müll steigen muss. Aber bei der nächsten Gelegenheit ging es schon rechts ab in die Stadt und ich wurde durch einen großartigen Blick auf die Alcazaba (Festung) von Antequera belohnt. Noch bevor man richtig in die Stadt eintaucht, trifft man auf ein kleines Aussichtsplateau, von dem man die Festung und Reste der Stadtmauer sehr gut sehen kann. Folgt man den Bronze-Muscheln, die hier zur Markierung des Jakobsweges in den Bürgersteig eingelassen sind, gelangt man zur Plaza Santiago mit der gleichnamigen Kirche. Nebenan ist die Pilgerherberge, die aber lt. Gronze wegen Renovierung „vorrübergehend“ geschlossen ist. Ich hab‘s trotzdem versucht und in der Kirche einen jungen Mann, der dort Aufsicht führte und mir einen Stempel in den Pilgerausweis gedrückt hat, nach der Herberge gefragt. Der hat mich eine Ecke weiter zum Kloster „Convento Belén“ geschickt. Da sah aber im Vorhof der Klosterkirche keine Tür so aus, als ob sie zu einer Herberge führen würde. Es gab nur eine offene Tür und die führte in einen kleinen Raum mit einem vergitterten Schalter, an dem die Nonnen Gebäck verkaufen und der sich nur öffnet, wenn man eine Klingel betätigt. Ist der Kauf etwas umfangreicher, dann wird eine kleine Drehtür benutzt, um die Kekse aus den heiligen Mauern nach draußen zu befördern. Ich habe gewartet, bis die gerade bedienten Leute mit ihrem Kekseinkauf fertig waren, und dann die zwar sehr nette, aber nicht sonderlich sprachkundige Nonne befragt. Die hat mir unmissverständlich gesagt, dass im Kloster keine Herberge sei, sondern neben der Kirche, in der ich gerade war. Ich bin als zurück zur Kirche, wo an einem Nebeneingang tatsächlich ein Herbergsschild hängt und habe den jungen Mann erneut verhört. Der hat dann auch gestanden, dass diese Herberge wegen Wartungsarbeiten geschlossen ist und er auch nicht wüsste, wann sie wieder öffnet. Als Alternative konnte er mir nur ein „Hostal Colon“ nennen, das aber lt. Booking ausgebucht war. Überhaupt waren alle preiswerten Hotels in der Stadt ausgebucht. Es ist Wochenende und herrliches Wetter. Und es gibt in der Stadt, die fast 42.000 Einwohner hat, viel zu sehen: die Alcazaba, jede Menge Kirchen, interessante Gassen und einen prähistorisch Dolmen. Das billigste Zimmer wäre für 55 € zu haben gewesen - und davon nur noch eins. Ich habe überlegt, ob ich schnell buche, bin dann aber doch erst in die Touristeninformation. Die gut Deutsch sprechende Dame hat dann eine Liste rausgeholt, in der noch zwei Hotels mit 45 €-Zimmern aufgeführt waren. Sie hat freundlicherweise bei beiden angerufen. Eins war voll, aber in dem anderen, im „Hotel Meson El Numero Uno“ hat sie für mich ein Zimmer reservieren und sogar noch einen Pilger-Preis von 35 € aushandeln können. Das ist ok. Da ich nun mein Bett sicher hatte, habe ich mich auf dem Weg zum Hotel nicht sonderlich beeilt. Ich wusste ja nicht, dass da schon ein kleiner runder Mann vor der Tür auf mich wartet. Der muss wohl meinen Hut richtig gedeutet haben, denn er fuchtelte schon mit den Armen, als ich in Sichtweite kam. Das 2-Sterne-Hotel ist eigentlich ganz ordentlich. Das Zimmer ist klein, aber das Bett sehr groß und das Bad gut. Ich habe nur meine Sachen abgestellt und bin dann runter in die Gaststätte des Hotels, weil da während des Eincheckens so leckere Sachen an mir vorbeigetragen wurden. Damit das Haus nicht wegen mir Pleite geht, habe ich mich entschlossen, zur Abwechslung mal was Richtiges zu essen und zwar nicht ein Steak oder Lende für 14 €, sondern einen riesigen Schaschlik-Spieß mit Pommes für 17 €. Ich habe dann aber große Mühe gehabt, diesen zu schaffen. Da waren vier große Fleischbrocken drauf, die man bei uns jeweils als ganzes Gericht verkauft hätte. Mit letzter Anstrengung habe ich alles vertilgt - bis auf die zwei großen Zwiebelhälften, die als Stopper links und rechts auf dem Spieß steckten. Hinterher war ein Schnaps dringend erforderlich, Ich habe mir einen kleinen Weinbrand bestellt und habe einen großen, halb vollen Schwenker bekommen, in dem mindestens zwei Doppelte waren, der aber trotzdem nur mit 2,50 € auf der Rechnung erschien. Die „Kleine Tasse“ (Copa Pequeña), wie der Weinbrand auf der Rechnung genannt wurde, hat mir zu einem langen und tiefen Mittagsschlaf verholfen. Um sechs, als die Sonne nicht mehr so hoch stand und die Touristen-Rudel sich verflüchtigt hatten, bin ich zu einem Stadtbummel aufgebrochen. Der hat mich durch ein paar nette Gassen und in einige schöne Kirchen geführt. Auf den Plätzen war die Mehrzahl der Kneipentische besetzt - die Leute haben das schöne Wetter und das Wochenende genossen. In einem Kulturhaus fand gerade ein Literaturfest mit Lesungen und Signierstunden statt. Da ich nicht alle literarischen Feinheiten des Spanischen verstehe, wollte ich da gar nicht reinschauen, aber der Pförtner hat mich förmlich rein gelockt und so konnte ich wenigstens den schönen Innenhof des Hauses bestaunen. Weiter ging es dann auf einer steilen Treppe hoch zur Alcazaba, welche zwar schon geschlossen hatte, sich aber auf offiziellen Wegen umrunden lies. Da fanden sich in jeder Himmelsrichtung interessante Motive. Die Marienkirche (Real Colegiata de Santa María la Mayor) östlich der Alcazaba auf dem gleichen Hügel gelegen, war leider auch schon geschlossen. Da diese hier alle Prospekte ziert, hätte ich gern mal reingeschaut. Auf dem Heimweg habe ich mich im „Dia“ noch mit Proviant für den nächsten Tag, also für Sonntag, eingedeckt, weil dann auf dem Weg nur ein einziges Dorf liegt, das vermutlich keinen sonntags geöffneten Laden und vielleicht nicht einmal eine Kneipe besitzt. Fürs Abendbrot brauchte ich nichts, da wirkte noch der Fleischspieß. |
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Camino Mozárabe - Tag 3 | ![]() |