
![]() |
Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
|
Tag 14 (Mi, 29.4.2026) Von Hinojosa del Duque nach Monterrubio de la Serena (32,4 km)
Diego hat gestern verkündet, dass er um sechs aufstehen will und sich vorab für eventuellen Lärm entschuldigt. Ich wollte eigentlich zeitgleich aufstehen, habe dann aber doch so fest geschlafen, dass ich gar nicht mitbekommen habe, dass er aufgestanden und losgezogen ist. Es war fast sieben, als ich aus dem Bett raus bin - etwas spät für eine lange Tour. Als ich um dreiviertel acht aufgebrochen bin, hat sich Veronika gerade aus dem Bett gequält. Unterwegs habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich losgelaufen bin, ohne auf sie zu warten. Ihr war nämlich am Abend vorher schon anzumerken, welchen Respekt sie vor der langen Etappe hat. Bei der 34-km-Etappe nach Villaharta hat sie zwischendurch schlapp gemacht und an einem überdachten Rastplatz auf dem Tisch geschlafen, weil sie weder Zelt noch Luftmatratze dabei hat.
Als ich nach drei Stunden mal eine längere Pause gemacht und mich dazu gemütlich niedergelassen habe, kam sie angestapft. Da war ich dann doch sehr erleichtert. Den Rest des Tages sind wir zusammen gelaufen, das heißt, mal sie vorn und mal ich. Jeder in seinem Tempo. Viel Gelegenheit zum Plaudern bot sich dadurch nicht. Der Weg war aber auch recht übel, weshalb man den permanent scannen und aufpassen musste. Ganz zum Anfang, als ich noch allein unterwegs war, war der Weg breit, glatt und gut verdichtet. Dann bog der Camino aber ab und nun ging es auf einem zerfahrenen Weg weiter, dessen Fahrspuren voller Treibsand waren. Den Sand hat der Regen dort angespült und weil es vermutlich in der Nacht geregnet hat, war der Sand nass und glitschig. Da konnte man eigentlich gar nicht laufen, nur in der mit Gras bewachsenen Mitte des Weges, die gekrümmt und bewachsen war. Es gab auch mal ein paar Schotterstücken und Trampelpfade durch hüfthohes Getreide. Dann kam mal wieder Lehmboden und die Lehmbatzen an den Schuhen wurden immer größer und schwerer. Der einzige Trost bei diesen Wegen war, dass es immer auf fast gleicher Höhe vorwärts ging. Da fielen wenigstens die Strapazen des Hinauf- und Hinabsteigens weg. Das Wetter hat sich auch ganz gut gehalten. Gestern wurde für heute Regen angesagt, aber davon hat die Wetter-App heute Abstand genommen. Es fielen trotz der dunklen Wolken am Himmel nur dreimal ein paar Tropfen runter. Und jedes Mal war es vorbei, wenn ich den Poncho übergezogen habe. Gestern Abend hat es wohl mal etwas kräftiger geregnet. Auf den Bildern waren die dunklen Wolken über Hinojosa zu sehen und dass es hinter dem Ort regnet. Kurz bevor ich das Ziel erreicht hatte, habe ich auch noch etwas davon abbekommen. Die Tropfen waren zwar dick, kamen aber so vereinzelt, dass ich nicht richtig nass geworden bin. Später, als ich im Bett lag, muss nochmal was runtergekommen sein. Die Landschaft beidseits des Weges war heute auch anders, als in den vergangenen Tagen. Da es hier ziemlich glatt ist, gibt es viel Feldwirtschaft. Auf manchen Flächen steht das Getreide schon recht hoch, einige sind sogar schon abgeerntet. Aber es liegen auch einige Felder brach. Da wächst nun alles bunt durcheinander, was dort in den letzten Jahren mal gesät wurde. Und zwischendurch auch großflächig Mohn- und Kornblumen. An den Wegesrändern steht viel Ginster herum, bei dem sich aber gerade erst die Knospen bilden - vor ein paar Tagen habe ich ja schon Büsche mit Blüten gesehen. So gut wie gar nicht waren Olivenhaine zu sehen, aber sehr oft Felder, auf denen im Getreide Olivenbäume stehen. So richtig gut bewirtschaften lassen sich solche Felder bestimmt nicht, aber schön sieht es aus. Als gut die Hälfte der Strecke geschafft war, ging es über eine Bahnlinie und später ein ganzes Stück in Sichtweite parallel zur Bahn. Die Linie ist offenbar erst vor kurzem erneuert worden, denn der Schotter war noch fast weiß. Viel Verkehr kann auf ihr aber nicht sein, denn ein Spaßvogel hatte eine Bananenschale als Teststreifen aufs Gleis gelegt und die war ganz schwarz und verschrumpelt, aber nicht zerfahren. Entlang der Bahn fanden sich immer wieder Ruinen von Bahnstationen und Bahnwärterhäuschen. An einem ehemaligen Bahnhof haben wir Rast gemacht, weil dort ein überdachter Rastplatz angebaut wurde. Hier konnte ich mit meinem tschechischen Vokabelschatz prahlen: „Hlavní nádraží“ (Hauptbahnhof). Kurz darauf ging es über den Río Zujár, der im Gegensatz zu den bisher überwundenen Bächen ein richtiger Fluss war. Von oben hat man meinen können, an der Saarschleife zu stehen. Aber der floss nur träge dahin, so dass der Wasserstand an der Furt nicht so gewaltig war. Allerdings musste man auf den Steinen im Flussbett ziemlich balancieren. Jeder Zweite rutscht da ab und tritt ins Wasser. Ich war zum Glück der Erste. Etwa 8 km vorm Ziel trifft der Weg auf eine Provinzialstraße und lt. Karte verläuft der Camino bis zum Ziel auf dieser Straße. Aber die berühmten gelben Pfeile mit und ohne Muschel zeigten auf einen Weg, der wieder von der Straße weg in die Landschaft führt und in einem weiten Bogen das Ziel erreicht. Entgegen dem vor zwei Tagen geleisteten Versprechen, künftig nur die ausgeschilderten Wege zu benutzen, habe ich die Straße vorgezogen. Veronika hatte auch nicht vor, nach den vielen Kilometern noch einen Umweg zu laufen. Wir sind also am Straßenrand unserem Ziel entgegen gestapft, was gar nicht problematisch war, weil da pro Stunde nur eine Handvoll Autos in jeder Richtung fuhr. Beim Blick auf die Karte war ich zunächst verwundert, dass die Straße nach etwa anderthalb Kilometern ihre Farbe von Weiß auf Gelb wechselt, aber da sich auch die Straßennummer von A-sowieso auf EX-211 änderte, war klar, dass hier die Grenze zur Extremadura ist. An dieser Stelle angekommen, stand auch das entsprechende große grüne Schild an der Straße. Auf der Straße gelang es mir dann, einen nennenswerten Vorsprung herauszuarbeiten, den ich dazu benutzt habe, am Ortseingang von Monterrubio beim Chinesen ein Bier und eine Limonade zu besorgen, um mit Veronika auf das Geschaffte anzustoßen, als sie auch heran war. Dann sind wir durch den Ort zur Herberge gezogen, die hier sogar richtig als solche ausgeschildert ist, weil sie ein paar Meter vom Camino entfernt liegt. Wir haben uns gefreut, dass uns Diego, der längst da sein müsste, die Tür öffnen und die Hospitalera anrufen kann. Aber er hat offenbar so fest geschlafen, dass er unser Klopfen nicht gehört hat. Ich habe daraufhin zum Telefon gegriffen und erfreulicherweise eine Dame „an der Strippe“ gehabt, die perfekt Deutsch spricht und versprach, in fünf Minuten da zu sein. Sie kam auch bald, hat uns eingelassen und die Räumlichkeiten gezeigt: in einem sehr schmalen, aber tiefen Haus sind im Erdgeschoss u. a. Küche, Essplatz und Bad, darüber ein Schlafsaal mit sechs Doppelstockbetten, einer Sitzecke und einer zum Wäschetrocknen geeigneten Terrasse. Alles sehr sauber und aufgeräumt. Nur der Server und das Infoterminal fehlen … Ich hatte seit Tagen einen bärischen Appetit auf Rühreier, den ich bisher wegen fehlender Kochgelegenheit oder Beschaffungsproblemen nicht befriedigen konnte. Wo kann man schon drei oder vier Eier kaufen? Nun hatte ich zwei potentielle Mitesser in der Herberge, die von dem Gedanken angetan waren, gemeinsam was zu kochen und zu essen. Also sind wir in den nahen „Dia“-Markt, wo ich leicht alles Nötige bekommen habe: eine 12er Stiege Eier (kleinste Abpackung), eine dicke Mortadella (das ist hier meist die einzige Kochwurst), reichlich Tomaten und eine große Zwiebel. Bei der hiesigen Zwiebelauswahl fällt die Entscheidung schwer. Ich habe mich für eine dicke Lauchzwiebel entschieden. Die ist „dulce“, also nicht so scharf und halbwegs geruchsarm. Außerdem kann man den Lauch kleingehackt gut als Deko nehmen. Das alles war dann schnell geschnippelt und in die Pfanne getan. Gegessen wurde es auch und es wurde sogar behauptet, dass es gut geschmeckt hat. Zumindest ist die Pfanne leer geworden. Diego (47) hat mir übrigens beim „Kochen“ interessiert zugeschaut. Er wohnt bei seiner Mutter und hat noch nie selbst gekocht … Dann war Wäschewaschen angesagt und der Tag auch schon fast zu Ende. |
![]() |
Camino Mozárabe - Tag 14 | ![]() |