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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 18 (So, 3.5.2026) Von La Haba nach Torrefresneda (32,6 km)
Wie geplant sind Veronika und ich zeitig aufgestanden und um halb sieben in La Haba losgezogen. Der Jakobsweg verläuft eigentlich auf einem Fahrweg, der südlich der EX-346 verläuft, wir haben aber einen gewählt, der nördlich verläuft, weil dieser direkt nach Don Benito hinein führt, während der andere nur den Stadtrand streift.
So haben wir unerwartet auch noch ein Highlight zu sehen bekommen. Genau zur Zeit des Sonnenaufgangs gegen 7.30 Uhr erschien rechts auf einem Hügel ein großes Gebäude, das sich beim Näherkommen als ein großer Tempel erwies. Da wir zügig gelaufen sind, hatten wir schon etwas Zeitpuffer herausgearbeitet, den wir für eine nähere Besichtigung genutzt haben. Oben beim Tempel angekommen, war diese aber ziemlich ernüchternd, denn die Säulen des Bauwerks sind aus glattem Beton, das Gebälk und das Dach aus rostigem Eisen. Vom Baustil her ist es ein griechischer Parthenon wie die Akropolis, es soll aber keine Rekonstruktion eines evtl. mal hier gestandenen Tempels sein, sondern ein Denkmal für Ökologie, das aus recycelten Material der Region besteht. Da muss man erstmal drauf kommen! Ein Eiffelturm-Nachbau aus den Blechbüchsen am Straßenrand wäre als Denkmal passender gewesen. Aber egal, von weitem sah der Tempel echt aus und zusammen mit der aufgehenden Sonne lieferte er schöne Fotomotive. Um viertel neun standen wir in Don Benito an der Plaza de España vor der Jakobskirche (Iglesia de Santiago) - die allerdings verschlossen war. Hier ist der Morgengottesdienst, eine der vier Sonntagsmessen, aus unbekannten Gründen ausgefallen. Wir haben schnell mises.org konsultiert, eine Webseite, die für alle Kirchen Spaniens die Gottesdienstzeiten auflistet. Dort fand sich eine sehr nah gelegene Kirche, in der es auch eine Messe um 8.30 Uhr geben soll. Und es war auch schon Glockengeläut in dieser Richtung zu hören. Aber eigentlich hätte man um diese Tageszeit nur jenen Leuten folgen brauchen, die ohne Hund unterwegs sind. Die kleine, zu einem Nonnenkloster gehörige Kirche war mit etwa 35 Leuten, darunter 1/3 Männer, ganz gut besucht. Hinzu kamen etwa 15 Nonnen, die aber nicht zu sehen waren, weil sie hinter einem vergitterten, seitlich vom Altarraum gelegenen und damit nicht einsehbaren Raum die Messe mitfeierten. Zählen konnte man sie nur, als der Pfarrer durch eine Luke in der Tür die Kommunion verabreichte. Aber zu hören waren die Nonnen, denn mit ihren schönen Stimmen haben sie den Gesang geliefert, der von sehr leiser Musik eines Tasteninstruments begleitet wurde. Die ganze Situation war aber ziemlich ungewohnt und vielleicht auch nicht ganz zeitgemäß. Als wir wieder an der Jakobuskirche vorbei kamen, war diese offen, da ja der 10-Uhr-Gottesdienst anstand. So konnten wir uns diese wenigstens ansehen. Im großen, reichlich vergoldeten Altarretabel findet sich Jakobus an zentraler Stelle als „Maurentöter“ auf einem weißen Pferd und mit dem Schwert in der Hand. Diese oft zu findende Darstellung des Apostels geht darauf zurück, dass er achthundert Jahre nach seinem Tod durch das Eingreifen in eine entscheidende Schlacht die Vertreibung der Araber aus dem jetzigen Spanien eingeleitet haben soll. An einem Seitenaltar fand sich aber auch eine Jakobusfigur, die ihn als harmlosen Pilger darstellt. In der Sakristei haben wir noch den begehrten Pilgerstempel und in einer nahen Bar den ebenso begehrten „Café con leche“ und ein Tomatentoast bekommen, bevor wir weitergezogen sind. Bis zum nächsten Ort, Medellín, ging es fast ausnahmslos entlang der EX-206. Medellín ist nicht mit der gleichnamigen, für Drogenhandel und Kriminalität bekannten Stadt in Kolumbien zu verwechseln. Hier gibt es kein Medellín-Kartell, sondern nur ein „Medellín-Kastell“, das Castillo de Medellín hoch über der Stadt, das man auch besichtigen könnte. Diese stattliche Burg, deren Außenmauern gut erhalten bzw. restauriert sind, war schon einige Kilometer vor Erreichen der Stadt zu sehen und gab tolle Bilder ab. Eindrucksvoll war in der Stadt außerdem der gewaltige Korpus der turmlosen Cäcilien-Kirche (Parroquia de Santa Cecilia), der die umliegenden Häuser weit überragt. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass die Kirche einst noch ein Stück länger war. Da muss mal ein Stück eingestürzt sein und statt es wieder aufzubauen, hat man die entstandene Öffnung einfach zugemauert. Als wir ankamen, ging gerade ein Gottesdienst zu Ende, der von vielen Kindern besucht war, die uns neugierig beäugten, als wir in einer Seitentür erschienen. Wir haben noch den Schluss abgewartet, uns in der Kirche umgesehen und in der Sakristei vom recht jungen, etwas Deutsch und Englisch sprechenden Pfarrer einen Stempel bekommen. Ein Bier zur Mittagszeit war der Antrieb für die nächsten Kilometer, die wieder entlang einer Straße verliefen. Dieses Mal war es aber eine wenig befahrene Landstraße, die uns nach Yelba führte. Das ist eine in den 1960er Jahren entstandene Siedlung mit lauter eingeschossigen, weiß gestrichenen Häusern, die nur vom Turm der modernen Kirche überragt werden. Wie schon von weitem zu hören war, gab es hier eine Fiesta. Mitten im Ort war ein Festzelt aufgebaut, das voller Menschen war. Der Ort hat 300 Einwohner und so viele Besucher werden das etwa gewesen sein. Viele davon waren grüppchenweise in einheitlichen T-Shirts gekleidet, deren Aufdrucke auf das Feiern im Ort Bezug nahmen - ohne Datumsangabe, da sicher öfter gefeiert wird. Die Leute standen fast alle klatschend und jubelnd um die Tanzfläche herum, wo Line Dance, Polonaise, Tanzvorführungen usw. stattfanden. Da war ordentlich Stimmung, die von einem lautstarken Moderator angeheizt wurde. Danach ging es zunächst über die Felder, auf denen Mais und Gemüse angebaut wird. Hier war interessant, dass man die Felder ganz plan angelegt und unter Wasser gesetzt hat. Vermutlich bringt es mehr, die Felder vor dem Bestellen einmal richtig und großflächig zu bewässern, als hinterher mittels Schläuchen jede einzelne Reihe. Die letzten vier Kilometer bis zu unserem Ziel, Torrefresneda, waren ziemlich ätzend, da der Camino hier auf dem Randstreifen der auch am Sonntag ziemlich stark befahren N-430, also einer Nationalstraße, verläuft. Zum Glück hatten wir noch rechtzeitig gelesen, dass man sich bis 14 Uhr in der Herberge anmelden muss, was wir telefonisch und per WhatsApp gemacht haben. Zurück kam, dass der Schlüssel für uns in der Bar „Magro“ hinterlegt ist. Die mussten wir also ansteuern. Die Herberge liegt nur wenige Meter entfernt auf der anderen Seite des zentralen Platzes dieser 1970 gegründeten Siedlung. Wir haben es in der Bar zunächst bei einem erfrischenden Getränk belassen, aber der netten, etwas älteren Dame hinterm Tresen versprochen, zum Essen wiederzukommen. In der sehr ordentlichen Herberge hat Veronika gleich das erste 4-Bett-Zimmer belegt und ich bin zum anderen, in dem ein mir schon bekannter Rucksack mit einem großen „Jerusalem Way“-Logo stand: Diego. Der war ausgeflogen, hatte aber seine Sachen feinsäuberlich aufgereiht, so wie wir es bereits von ihm kannten. Als wir dann gegen sieben wieder rüber in die Bar sind, saß er da bei einem Bier allein an einem Tisch auf der Terrasse. Hat der sich gefreut, als er uns gesehen hat! Er hat uns immer wieder umarmt und gestrahlt, als hätte er sonst was geschenkt bekommen. Das war aufrichtige, rührende Freude. Wir haben uns nun erstmal gegenseitig erzählt, was wir in den letzten Tagen gesehen und erlebt haben. Er hat übrigens in Don Benito in der Obdachlosenunterkunft der Caritas übernachtet und war davon sehr angetan. Die reservieren dort angeblich zehn Betten für Pilger. Er war der einzige und hatte ein Bett allein in einem Zweibettzimmer. Gegessen wurde gemeinsam nach einem unverrückbaren Zeitplan. Insgesamt waren da etwa 25 Leute, überwiegend Emigranten, über die er nichts Schlechtes sagen konnte. Wie im Pilgerführer ausgeführt, bekommt man dort für eine Spende von mindestens 10 € nicht nur ein Bett, sondern auch Frühstück, Mittag und Abendessen, wenn man zu den festgelegten Zeiten da ist. In Medellín hat er ein tolles Selfie vor dem Schriftzug mit dem Stadtnamen und der Burg im Hintergrund geschossen und stolz gezeigt. An dieser Stelle sind wir leider nicht vorbei gekommen. Nach dem Erzählen und frischem Bier ging es ans Essen. Es gab eine ziemlich lange Speisekarte mit einfachen, preiswerten Gerichten. Ich habe mir „Fleisch mit Champignons“ bestellt. Das gab es aber nicht, weil kein Fleisch da war. Da bin ich auf „Champignons mit Schinken“ umgeschwenkt, was aber auch nicht zu haben war, weil die Champignons alle waren. Das hat mich doch etwas an eine Konsum- oder HO-Gaststätte erinnert. Diego, den ich mit der Bestellung betraut hatte, hat dann für mich „Flügel vom Huhn“ bestellt. Ich fand es ja etwas langweilig, an einem Hühnerflügel rum zu knabbern, aber auf dem Teller, der kam, lag ein ganzes Dutzend kleiner Flügel in einer ganz leckeren Soße. Als Beilage gab es Brot, was völlig ausreichend war. Ich habe ganz schön zu tun gehabt, dieses 8,50 €-Gericht zu vertilgen. Um Leibschmerzen vorzubeugen, habe ich Diego gebeten, uns einen Verdauerli zu beschaffen, den ich spendieren wollte. Er kam dann mit zwei Brandys (Soberano) und für sich einen Whisky, alles in der bei uns üblichen Menge, nicht wie letztens als „sto gram“. Das tat nach dem Essen richtig gut und Diego hat darauf bestanden, die Runde zu bezahlen. Die Uhr zeigte schon fast zehn, als wir in die Herberge aufgebrochen sind. Es war, mal abgesehen von den Kilometern entlang der Fernstraßen, ein sehr schöner Tag, zumal am Nachmittag die Berliner Eisbären im fünften Finalspiel die Mannheimer Adler bezwungen haben und damit zum dritten Mal hintereinander Deutscher Meister geworden sind. |
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Camino Mozárabe - Tag 18 | ![]() |