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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 20 (Di, 5.5.2026) Von Mérida nach Talavera la Real (43,4 km)
Heute früh war es lange still in der Herberge, jetzt mal abgesehen von einem um fünf klingelnden Wecker, zu dem sich niemand bekannt hat. Gegen halb sechs haben sich die ersten Frühaufsteher leise raus geschlichen. Davon hätte man nichts mitbekommen, wenn nicht immer beim Öffnen der Tür das Licht vom Flur in den Schlafraum gefallen wäre.
Um sechs habe ich mich auch aus dem Bett gewälzt, den Schlafsack zusammengerollt, den Rucksack gegriffen und den Saal verlassen. Auf dem Flur habe ich dann das Waschzeug und Wäsche raus gekramt und Morgentoilette gemacht. Ein Anreiz für das frühe Aufstehen war der freie Zugang zur Toilette. Für die beiden am häufigsten vorkommenden Geschlechter gab es je eine, jeweils zusammen mit Dusche und Waschbecken in einem Raum. Das birgt immer die Gefahr, dass man nicht auf die Schüssel kommt, weil da jemand unter der Dusche Arien trällert. Hier kam noch verschärfend hinzu, dass sich manche bei vorhandenem Waschbecken in der Kabine zum Zähneputzen oder Rasieren einschließen, statt dies an den zusätzlichen Wachbecken im Vorraum zu erledigen. So früh am Morgen hatte ich aber kein Problem, loszuwerden, was ich loswerden wollte. Danach habe ich mich ans Frühstück gemacht. Da waren ja noch die Kichererbsen für die Mikrowelle, die ich nicht mitschleppen wollte, weil ich in den nächsten zwei Tagen keine Küche haben werde. Eigentlich wäre ja hier in Mérida meine Reise zu Ende, denn hier endet praktisch der Camino Mozárabe. Wer bis Santiago will, läuft weiter auf der Via de la Plata und dann ab Granja de Moreuela auf dem Camino Sanabrés bzw. ab Astorga auf dem Camino Francés, was sicher die weniger beliebte Variante ist. Ich habe gegenüber den nach Gronze geplanten 21 Tagen durch Zusammenlegung von Etappenteilen zwei rausgearbeitet. Diese zwei Tage gilt es jetzt, sinnvoll zu verwenden. Dafür böten sich Stadtbummeltage in Mérida und/oder Sevilla an. Aber nach drei Wochen ziemlicher Einsamkeit ist einem überhaupt nicht danach, sich in das Gewimmel der Touristen einzureihen. Und wenn man stets unterwegs war und lange Strecken gelaufen ist, dann stellt sich zumindest bei mir nicht der Wunsch ein, stundenlang durch Straßen, Geschäfte oder Museen zu bummeln. Deshalb habe ich beschlossen, auch an den verbliebenen Tagen zu laufen, allerdings nicht auf der schon begangenen Via de la Plata. Ein Blick auf die Karte hat gezeigt, dass die fast an der portugiesischen Grenze liegende Provinzhauptstadt Badajoz ziemlich genau 60 km, also zwei Wandertage von Mérida entfernt liegt. Genau auf der Hälfte, in Lobon, gäbe es eine Übernachtungsmöglichkeit. Nun habe ich mir also die auf der Karte plausibel erscheinende Fortsetzung meiner Pilgertour bis Badajoz vorgenommen, wohlwissend, dass es da keine Ausschilderung und keine Herbergen gibt. In Badajoz werde ich vermutlich Diego wiedertreffen. Er wird sich heute noch in Mérida umsehen und morgen mit dem Bus nach Badajoz fahren. Von dort will er weiter nach Lissabon und dann ähnlich wie Veronika, allerdings nicht über Fatima, in seine galicische Heimat. Er hat in Badajoz für 35 € im Hotel „Cervantes“ ein Zimmer gebucht. Ich hatte eher eine deutlich besser bewertete und sogar noch preiswertere Pension im Visier. Aber da letztere heute Früh nicht mehr verfügbar war und das „Cervantes“ nur noch zwei Zimmer anzubieten hatte, habe ich auch schnell dort gebucht. Der Abschied von Diego ist also nur vorübergehend. Von Veronika musste ich mich hingegen dauerhaft verabschieden. Es hat Spaß gemacht, mit ihr zu laufen, auch wenn oft hunderte Meter zwischen uns lagen. Aber das Wissen, dass im Notfall jemanden der Nähe ist, ist schon beruhigend. Und das Schwatzen bei Pausen oder abends in der Herberge war auch schön. Ich werde sie an den verbleibenden Tagen vermissen. Da ich keine Eile hatte, habe ich mich auf dem Weg aus der Stadt heraus noch etwas umgesehen und viel fotografiert. Etwas Mühe hatte ich, unbeschadet an den Gänsefamilien vorbei zu kommen, die in der Parkanlage am Fluss den Weg in voller Breite in Beschlag genommen hatten. Die „Römerbrücke“ über die es ging, zwingt einen förmlich dazu, sie aus allen Winkeln anzuschauen und zu fotografieren, was ich hinreichend getan habe. Durch ein Gewerbegebiet mit vielen Supermärkten sowie McDonald's und Co. ging es raus aus der Stadt. Bis zum nächsten Ort, Calamonte, war es nicht weit. Obwohl das hier alles nichts mehr mit dem Jakobsweg zu tun hat, bin ich ins Rathaus und habe nach einem Stempel gefragt. Hinterm Tresen saßen in einer Art Großraumbüro fünf oder sechs Leute, einschließlich dem Dorfpolizisten. Die Dame, die ich angesprochen habe, hat den schönsten ihrer vielen Stempel rausgesucht und mir verpasst. Dann hat sie noch einen Becher mit dem Stadtwappen aus dem Schreibtisch geholt und mir geschenkt. Außerdem noch ein paar futuristische Filzstifte und ein Schlüsselband. Dann bat sie mich zu warten und verschwand in einem Nachbarzimmer, wo sie was Bestimmtes als Geschenk gesucht, aber nicht gefunden hat. Ganz schuldbewusst hat sie mich dann wissen lassen, dass sie leider nichts weiter für mich hat. Ich bin noch schnell in die Bar „San Juan“, wo ich mir einen „Café con leche“ und ein Tomaten-Toastbrot habe kommen lassen. Beides war sehr lecker und hat zusammen nur 2,50 € gekostet. Solche Preise sind hier inzwischen selten geworden, führen aber dazu, dass die Bar morgens um zehn schon gut besucht ist. Hinter Calamonte führte der Weg zunächst sehr eben durch Felder und später entlang eines Kanals. Bis Lobon, meinem ursprünglichen Ziel, gab es nur zweimal ein paar Steigungen am Fuße eines Hügels. Aber die waren nicht sonderlich kräftezehrend. Ich bin gut vorangekommen und habe mir ausgerechnet, dass ich um halb vier in Lobon sein werde, zur Siesta in einem verschlafenen Kaff. Da kam ich auf die Idee, nicht dort in dem mit 47 € vergleichsweise teuren Hotel abzusteigen, sondern noch die Hälfte der für morgen geplanten Etappe ran zuhängen und bis Talavera la Real weiterzulaufen, wo es in einem Hostel Zimmer mit Bad für 33 € gibt. Da Booking.com bei beiden Unterkünften nur noch zwei Zimmer zu bieten hatte, war eine schnelle Entscheidung angesagt. Da ich mich noch fit fühlte, habe ich beschlossen, an die 30 km bis Lobon noch die 14 Kilometer bis Talavera ran zuhängen, wo ich dann etwa halb acht eintreffen würde. Um drei, eine halbe Stunde eher als geplant, war ich in Lobon und sofort davon überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Das Kaff war ausgestorben, die Kneipen waren zu und nur ein Restaurant an einer großen Straßenkreuzung war offen. Obwohl da Schüsse und Schreie nach draußen drangen, bin ich rein. Der Wirt war der einzige Gast und saß mit einem Bier vorm Fernseher und schaute einen Western. Er hat sich aber überreden lassen, mir ein Bier und ein Tomatentoast zu reichen. Als ich wieder aufgebrochen bin und auf der Terrasse stand, knallte es hinter mir. Das war mal nicht der Western, sondern das Gitter vor der Tür, das unsanft heruntergelassen wurde. Nun war der Ort ganz tot. Zwei Drittel der Strecke nach Talavera la Real verliefen wieder auf einer Servicestraße entlang der Autobahn. Die war vom Belag ok, ging aber ganz schön hoch und runter, was auf der Karte nicht so zu erkennen war. Im letzten Drittel ging es weg von der Autobahn und entlang des Canal de Lobon über die Felder zu meinem Zielort. In einem „Carrefour Express“ am Ortseingang habe ich mir was zu trinken besorgt und dann das „Hostal da Talavera“ aufgesucht. Die Lage war auf der Karte nicht ganz klar zu erkennen und ich bin zunächst auf der Rückseite gelandet, die etwas erschreckend aussah. Auf der Vorderseite an der Hauptstraße sah das schon ganz anders aus. Da ich ja bei Booking.com gebucht und bezahlt hatte, brauchte ich mir nur meinen Schlüssel holen und konnte gleich aufs Zimmer gehen. Abgesehen davon, dass hier jemand trotz Verbot geraucht hat, ist das Zimmer ok. Ich werde bestimmt gut schlafen, denn lt. Komoot waren das heute 44,3 km. Das ist etwas mehr als beim Marathon (42,195 km), aber dafür bin ich langsamer gelaufen. Auf der Webseite und in der Statistik wird die gelaufene Strecke etwas kürzer sein, denn ich glätte und bereinige immer die aufgezeichneten Strecken, bevor sie veröffentlicht und statistisch ausgewertet werden. Da werden kleine Um- und Irrwege, Klogänge und Kneipenbesuche rausgestrichen. Gerade Letzteres ist ein bedeutsamer Anteil: bei jeder Kneipe 20 Meter gerade rein und 40 Meter in Schlangenlinien wieder raus. |
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Camino Mozárabe - Tag 20 | ![]() |