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Unterwegs auf dem St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt von Vehlen nach Freyburg | ![]() |
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Tag 12 (Mo, 20.7.2026) Von Hettstedt zum Kloster Helfta / 22,1 km
Als ich heute in Hettstedt aufgebrochen bin, war es regelrecht kalt. Eigentlich hätte man sich etwas über das T-Short ziehen müssen, aber ich war erstens zu faul, Pullover oder Windjacke aus dem Rucksack zu zerren, und zweitens war es nach den warmen und heißen Tagen der letzten Wochen ganz angenehm, mal abzukühlen. Erst als ich mich mittags zum Picknick in einer Parkanlage niedergelassen habe, kam die Windjacke zum Einsatz, denn ohne Bewegung war es doch zu kalt. Der Weg führte heute durch Orte wie Klostermansfeld, Benndorf und Helbra, die jahrhundertelang untrennbar mit dem Kupferbergbau verbunden waren und nun zu kämpfen haben, da dieser nach der Wende fast völlig zum Erliegen kam. Die Hinterlassenschaften des Bergbaus sind unübersehbar: kaputte Fördertürme, kegelförmige Abraumhalden mitten in der Landschaft und stillgelegte Eisenbahnstrecken. Ab 1880 wurde ein Netz an Schmalspurbahnen (750mm) aufgebaut, das die verschiedenen Bergwerke und Hütten miteinander verband und 50 km Streckenlänge hatte. Jetzt gibt es davon noch ein paar Reste und im Klostermansfeld stehen neben dem DB-Bahnhof noch ein paar Waggons und Loks auf Schmalspurgleisen, darunter auch eine Dampflok (Nr. 11), die bei Museumsfahrten zum Einsatz kommen. Obwohl die Gegend recht dicht besiedelt ist, führte der Weg lange zwischen Feldern hindurch oder durch den Wald. Da gab es wieder einige Kirschbäume am Wegesrand, aber die Reste, die da noch hängen, sind unanständig süß. Zwischendurch gab es zur Abwechslung auch mal Rote Johannisbeeren mit reifen Früchten, aber das war nur ein Einzelfall. Wenn man in zwei oder drei Wochen hier lang läuft, kann man sich den Bauch mit Mirabellen vollschlagen, die hier massenhaft vertreten, aber noch nicht richtig reif sind. In Klostermansfeld habe ich übrigens als Mittagsmahl Erbsensuppe aus einer Gulaschkanone gegessen, die hier immer montags am Straßenrand steht. 5€ inklusive Wiener sind ein guter Preis, aber wenn man keine eigene Schüssel dabei hat, muss man 50 Cent für den Einwegteller drauflegen … Gegen drei war ich in Eisleben, das ich irgendwie anders in Erinnerung hatte. Rings um den Markt sieht es sehr ordentlich aus: schöne alte Häuser und eine imposante Kirche. Aber ein paar Straßen weiter wohnt die Tristesse. Da glaubt man nicht, in einer bedeutsamen Stadt zu sein - schließlich wurde hier Luther geboren und hier ist er auch gestorben. Letzteres hoffentlich nicht wegen einem Mittel aus der Luther-Apotheke. In der „Lutherstadt Eisleben“ dreht sich alles nur um diesen Herrn, der gegen das Pilgern gewettert hat und nun mit einem Lutherweg geehrt wird. Wie vereinbart, war ich pünktlich um fünf in Kloster Helfta, einem noch aktiven Kloster, in dem vier Zisterzienserinnen leben. Eine davon sollte ich bei meiner Ankunft anrufen. Sie kam auch gleich und hat mir ein Quartier in einem Haus mitten auf dem Klostergelände zugewiesen: ein Matratzenlager in einem großen Veranstaltungsraum, der mit Holzpfeilern und -balken aufwarten kann. Auf meine Anfrage hatte man mir ein 55€-Zimmer im Gästehaus angeboten, nach einem Hinweis auf mein schmales Budget dann aber diese kostenfreie Alternative, mit der ich sehr zufrieden bin, zumal in einer Ecke des Raumes auch eine kleine Küche ist. Mit der hübschen, relativ jungen Nonne, die mich eingewiesen hat, habe ich mich gleich verabredet: 17.30 Uhr in der Kirche. Sie war auch pünktlich und hatte sich „in Schale geworfen“. Statt der dunkelblauen Arbeitstracht trug sie nun eine weiße Tunika und einen schwarzen Schleier. Sie hat nicht nur den Pilgerstempel mitgebracht, sondern auch noch eine zweite Nonne, mit der sie dann sehr eindrucksvoll die Vesper gesungen hat. Da läuft es einem heiß und kalt den Rücken runter, wenn zwei sehr zarte Stimmen einen Raum füllen, der teils sehr alt und teils sehr neu ist. Das in den Bauernkriegen zerstörte Kloster wurde nach der Wende mit Hilfe aus dem Westen wieder aufgebaut. In der Kirche ist eine Seitenmauer noch original, die andere Mauer und das Dach sind neu. Alles ist sehr schlicht und trotzdem beeindruckend. Die Vesper hat mir so zugesagt, dass ich (wie auch Besucher aus dem Gästehaus) später auch noch zur Komplet, das heißt zum gesungenen Nachtgebet, in die Kirche bin. Da fühlt man sich mal wie ein echter Pilger. |
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St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt - Tag 12 | ![]() |
Hettstedt, Markt mit Saigerturm | |
Hettstedt. Funktionsloses Schmalzgrund-Viadukt, die erste um eine Kurve gehende Bogenbrücke Europas | |
Hettstedt, Eisenbahnbrücke über die Straße „Berggrenze“ nahe der Kupferhammerhütte | |
Burgörner Altdorf, Kirche an der Schloßstraße Ecke Humboldtstraße | |
Sonnenblumenfelder bei Klostermansfeld | |
Klostermansfeld, St.-Martin-Kirche. Ursprünglich von 1170, später teilweise abgetragen und neugebaut. | |
Klostermansfeld, Bahnhof Benndorf der Mansfelder Bergwerksbahn (Schmalspurbahn) | |
Klostermansfeld, Bahnhof Benndorf. Schmalspur-Lok Nr. 11 des Mansfeldkombinats Wilhelm Pieck Eisleben | |
Klostermansfeld, Bahnhof Benndorf. Schmalspur-Lok Nr. 11 des Mansfeldkombinats Wilhelm Pieck Eisleben | |
Klostermansfeld, Bahnhof. Die „Wipperliese“, ein Triebwagen der Cargo Logistik Rail Service GmbH | |
Helbra, Wegweiser zu einem Schaubergwerk | |
Die Straße von Helbra nach Kreisfeld (Helbraer Straße, L225), geradezu eine Abraumhalde | |
Helbra, Eislebener Weg. Ruinen des Werner-Schneider-Schachts in der Straße „Am Ernst-Schacht“ | |
Eine Schieferhalde hinter Helbra | |
Solche kegelförmigen Abraumhalden finden sich hier mehrfach in der ansonsten flachen Landschaft. | |
Ein Sonnenblumenfeld nahe der Wüstung Eikendorf, südwestlich von Helbra | |
Die Landschaft nördlich von Eisleben | |
Eine Schlackehalde nördlich von Wimmelburg, kurz vor Erreichen von Eisleben | |
Eisleben, St.-Annen-Kirche. Erste evangelische Pfarrkirche im Mansfelder Land | |
Eisleben, im Hintergrund die drei Türme der St.-Andreas-Kirche | |
Eisleben, Sangerhäuser Straße | |
Eisleben, Kanaldeckel | |
Eisleben, Knappenbrunnen. Im Hintergrund die St.-Andreas-Kirche | |
Eisleben, St.-Andreas-Kirche. Hier hielt Luther seine letzten vier Predigten. | |
Eisleben, St.-Andreas-Kirche. Büsten von Luther und Melanchton | |
Eisleben, Lutherrose auf dem Gehsteig (Luthers Siegel) | |
Eisleben, Marktplatz mit Lutherdenkmal | |
Eisleben, Rathaus. Im Hintergrund der neben dem Kirchenschiff stehende Nordturm der St.-Andreas-Kirche | |
Eisleben, St. Petri und Pauli | |
Helfta, Wohn- und Gästehaus des Klosters | |
Helfta, links die Klosterkirche, rechts ein ehem. Speicher mit Büros und Veranstaltungsräumen (Liboriushaus) | |
Helfta, Klosterkirche St. Marien. Rechts altes Gemäuer, links eine neue Wand | |
Helfta, Chor der Klosterkirche. Hier nehmen die Nonnen zu den Gottesdiensten Platz. | |
Helfta, Klosterkirche. Unter der Orgel ist der Zugang zur Klausur des Klosters. | |
Helfta, Gertrud-Kapelle des Klosters | |
Helfta, Klostergelände. Vorn der Ersatzneubau des Pilgerheims, das aber Büros statt Pilger beherbergt | |
Helfta, Wohn- und Gästehaus des Klosters | |
Helfta, links der ehemalige Speicher (Liboriushaus) und rechts die Klausur des Klosters | |
Helfta, Veranstaltungsraum im Liboriushaus. Mein Schlafplatz war auf einer dicken Matratze. | |
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