Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz
Tag 0 (Mi, 15.4.2026) Anreise nach Málaga
Liebe Wegbegleiter, ich sitze mal wieder am BER und habe bereits eine Wodka- und Scho­koladen-Kostprobe im Duty Free hinter mir. Dank überpünktlicher Verkehrsmittel habe ich es in 52 Minuten von unserem Dorf zum Flughafen geschafft. In der Zeit wäre man mit dem Auto nicht weit gekommen. Nun habe ich zwei Stunden Zeit, bis mein Flug nach Málaga geht, wo ich auf dem Mozarabischen Jakobsweg nach Mérida starten will. Dafür habe ich drei Wochen geplant, was erstmal großzügig erscheint. Für den etwas längeren Zweig dieses Jakobs­weges ab Almería wäre das hingegen etwas knapp bemessen.

So Gott will und das Wetter mitspielt, werde ich eine hoffentlich schöne Pilgertour durch Andalusien und die Extremadura haben, auf die ich Euch gern mitnehmen will. Ich werde wieder jeden Tag einen kurzen Bericht und ein paar Bilder schicken. Wem das zu viel wird, der kann sich gern ausklinken. Hinterher wird es eh wieder alles auf eckelt.de/camino zu lesen und zu sehen geben. Wenn hinreichend viel zusammenkommt, gibt es dann auch wieder eine kleine Broschüre mit meinen Berichten.

Aber zurück zum Weg, dessen Name erklärungswürdig ist: Unter „Mozarabern“ versteht man Christen, die während der arabischen Herrschaft (ab Anfang des 8. Jahrhunderts) im Süden Spaniens lebten. Von denen müssen wohl auch welche nach der Entdeckung des Apostel­grabes quer durchs Land nach Santiago gepilgert sein, was in jüngster Zeit Anlass war, die genannten Pilgerwege zu definieren und auszuschildern. Ob das gut gelungen ist, werde ich in drei Wochen sagen können. Was die Ausstattung mit Herbergen betrifft, sieht es lt. Gronze, dem beliebtesten Online-Pilgerführer, nicht schlecht aus. Für fast jeden vorge­schla­genen Etappenort gibt es eine preiswerte Herberge, einige auch auf Spendenbasis. Wenn nicht, dann sind wenigstens bezahlbare Pensionen ausgewiesen. Ob das für ein sorgenfreies Pilgern reicht, wird sich zeigen und auch davon abhängen, wie viele Pilger unterwegs sind, denn mitunter haben die Herbergen nur vier Betten.

Ich hoffe, dass ich nicht wieder ganz allein unterwegs bin, wie zuletzt auf den meisten meiner Touren. Zu viert oder zu zweit wie im September auf dem Weg von Madrid nach Santiago, würde mir besser gefallen. Man muss ja nicht den ganzen Tag zusammen laufen. Aber am Abend aufeinander zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam was zu unternehmen, ist schon schön.

Von Marco, dem Italiener, mit dem ich auf dem Camino de Inverno unterwegs war, habe ich gerade eine WhatsApp bekommen, in welcher er schreibt, dass er auch heute nach Spanien fliegt, allerdings nach Madrid, wo er sich auf den Camino de Madrid begeben will. Marco ist jener, der permanent auf der Suche nach einer Gaststätte ist. Im Zusammenhang mit seiner Anfrage nach einer bestimmten Unterkunft konnte ich ihm auch gleich eine Restaurant-Empfehlung geben.

Für heute Abend und für die letzte Nacht in Sevilla habe ich jeweils ein Bett gebucht. Alles dazwischen werde ich, sofern überhaupt möglich, kurzfristig buchen, um nicht unter Druck zu geraten. Für heute habe ich schon eine Mail mit allen möglichen Zugangscodes erhalten: fürs Haus, für die Etage und für das Zimmer C, in dem ich Bett 3 habe. Mal sehen, ob ich die numerischen Hürden bis zum Bett alle nehmen kann. Wenn nicht, dann bleiben als Trost die milden Temperaturen, die ein Überleben im Freien erlauben.

Als ich mich nach einer zweiten Wodka-/Schokoladenverkostung im Duty Free auf den Weg zum Gate gemacht habe, stand da schon „Last Call“ angeschlagen, obwohl es noch eine dreiviertel Stunde bis zum Abflug war. Aber man war bemüht, die Leute so schnell wie möglich in den Flieger zu bekommen. Obwohl nur ein Easyjet-Mensch am Gate stand, ging das Boarding ganz flott. Der hat weder ein Auge auf das Gepäck geworfen, noch nach dem Ausweis gefragt. Zwanzig Minuten vor dem Abflug waren alle im Flieger und auf die Minute genau hat er abgehoben. In Málaga ist er dann sogar eine viertel Stunde früher als geplant angekommen.

Das ist ein Tag, den man im Kalender vermerken sollte: alles pünktlich, Bus, S-Bahn, Regio und Flugzeug. Vermutlich war in Málaga auch der Flughafenbus pünktlich, aber da kenne ich nicht den Fahrplan. Da ich mich bei meiner letzten Ankunft so sehr beeilen und durch den Flughafen rennen musste, um den Bus nach Almería zu bekommen, habe ich es dieses Mal genossen, durch die langen Hallen des Flughafens zu schlendern und gemütlich zur Bushaltestelle vor dem Terminal zu laufen. Seinerzeit musste ich mich todesmutig dem Bus in den Weg stellen, der schon die Türen zu und den Blinker an hatte.

Heute stand der Bus noch eine ganze Weile rum, bevor es losging. Etwas abenteuerlich war das Bezahlen. Man hält die Kreditkarte beim Fahrer an ein Lesegerät, das nur die Uhrzeit, aber keinen Preis anzeigt. Aus einem Schlitz kommt dann ein Fahrschein, der auch nur von/bis sowie Datum und Uhrzeit enthält. Und kurioserweise listet auch ApplePay nicht wie üblich sofort den getätigten Umsatz. Wer weiß, wann da wieviel hundert Euro abgebucht werden …

Lt. Haltestellen- und Busbeschriftung handelte es sich um den Express-Bus (Linie A) vom Flughafen ins Stadtzentrum, der allerdings an jeder Haltestelle angehalten hat. So richtig flink ging es also nicht voran, zumal ja auch Berufsverkehr war. Da ich aber keine Eile hatte, habe ich den Blick aus dem Fenster genossen.

An der Endstation angekommen, war es schon bald um sechs und ich habe mich beeilt, zur Jakobuskirche (Iglesia de Santiago) zu kommen, weil ich befürchtete, dass diese, wenn sie denn überhaupt geöffnet ist, zeitig schließt. Beim letzten Mal in Málaga war diese Kirche nämlich stets verschlossen. Dieses Mal hatte ich Glück. Die Kirche stand nicht nur offen, sondern ich habe in der Sakristei auch noch einen Stempel in den Pilgerausweis bekommen. Mit einem Santiago-Stempel an erster Position kann ich mich morgen ganz zünftig auf den Weg machen.

Von der Kirche war es nicht mehr weit bis zu meinem Quartier, dem Nomad-Hostel an der Plaza de la Merced. Das ist ein schöner Platz in einem etwas besseren, aber sehr belebten Stadtviertel. Auf einer Seite wird der Platz von zwei noblen, alten Fünfgeschossern begrenzt, in denen sich Gaststätte an Gaststätte reiht, alle mit dicht bestuhlten und gut besuchten Terrassen. In einem dieser Häuser ist das Hostel, von außen nicht erkennbar, weil nichts an der Tür steht. Man muss also die Hausnummer wissen. In einem einst feudalen Treppen­haus, das mit einem nicht funktionierenden Fahrstuhl dekoriert ist, geht es auf Marmorstufen in den zweiten Stock, wo die Wohnungstüren mit A und B beschriftet sind. Dahinter befinden sich Flure mit je fünf Zimmern, einem Gemeinschaftsbad und einer kleinen Küche. Soweit ganz gut.

Aber mit dem Zimmer habe ich mich maximal angeschmiert. Ich habe beim Buchen das Zimmer mit den wenigsten Betten gewählt. Das ist hier ein Sechser-Zimmer, das mit den drei Doppelstockbetten sehr gut ausgefüllt ist und kein Fenster besitzt! Das Zehner-Zimmer, das ich verschmäht habe, ist hingegen recht geräumig und hat zwei bodentiefe Fenster, die zum Platz zeigen. Da mag es abends noch eine Weile laut sein, aber man hat wenigstens Luft. In meiner voll belegten Kammer muss ich hingegen den Erstickungstod fürchten. Wo und wie man sich da ankleidet, weiß ich auch noch nicht, denn es gibt da weder Stuhl noch Kleider­haken und auch keinen Aufenthaltsraum, in den man sich verziehen könnte, um die anderen nicht zu wecken.

Camino Mozárabe - Tag 0