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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 1 (Do, 16.4.2026) Von Málaga nach Almogia (24,1 km)
Ich muss mich korrigieren: Das winzige 6-Bett-Zimmer in Málaga hatte ein (Milchglas-) Fenster zum Flur, das aber zugeschraubt war und sich nicht öffnen ließ. Das diente nur nachts zur Beleuchtung des Zimmers, wenn jemand auf dem Flur unterwegs ist und den Bewegungsmelder auslöst. Die Spanier tun alles, um bei den Herbergsgästen Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Dank der Bewegungsmelder haben alle was davon, wenn einer aufs Klo muss. Deshalb und weil das Doppelstockbett mächtig schwankte, habe ich den nächtlichen Klogang bis kurz vor sechs rausgezögert. Um das Bett beim wieder Reinklettern nicht erneut in Bewegung zu versetzen, bin ich gleich aufgeblieben, hab‘ nach und nach meinen Kram auf den Flur getragen und mich dort angezogen. Ich befürchte, dass das Mädel im Bett unter mir trotzdem seekrank geworden ist, denn jedes nächtliche Umdrehen im Bett darüber hat sich wie ein ordentlicher Wellengang ausgewirkt.
Das Lüftungsproblem habe ich ganz einfach dadurch gelöst, dass ich die Zimmertür offen gelassen habe, als die ängstlichen Japaner, die sich immer eingeschlossen haben, eingeschlafen waren. Da ich so früh am Morgen den Bistrotisch und die eigentlich für etwa dreißig Leute gedachten zwei Barhocker auf dem Flur ganz für mich hatte, habe ich vorm Losgehen noch richtig gefrühstückt. Um sieben bin ich dann losgezogen. Da ist die Stadt erst langsam erwacht. Ich liebe es, durch eine Stadt zu laufen, die ausgestorben erscheint und allmählich wieder lebendig wird. Nur wenige Leute eilten um diese Zeit schon zur Arbeit. Die Straßenfeger haben die letzten Haufen zusammengekehrt und ein anderer Trupp hat die Fußgängerzone nicht nur nass gemacht, sondern richtig mit dem Kärcher bearbeitet, damit die Wegplatten wieder glänzen. Bis auf wenige Cafés, die Frühstück anbieten, waren noch alle Gaststätten zu und die Terrassen leer. Manche Wirte waren aber schon dabei, die Tische und Stühle wieder rauszustellen, die sie vermutlich erst nach Mitternacht weggeräumt haben. Ich habe meine Pilgertour ganz ordentlich vor der Jakobskirche gestartet und mich gleich „verlaufen“, denn ich bin durch eine andere Fußgängerzone zum (ausgetrockneten) Río Guadalmedina gelaufen, als „vorgeschrieben“, was aber völlig Wurst ist. In der Innenstadt ist der Jakobsweg nämlich nicht ausgeschildert. Zumindest habe ich keine Muscheln oder Pfeile gesehen. Aber verlaufen kann man sich nicht, denn nach Überqueren des trockenen Flussbetts geht es in der Calle Mármoles immer geradeaus, über die Stadtautobahn (MA-20) und fast bis zur Autobahn A-7 (Autovía del Mediterráneo), immer den Bögen der Straße (A-7075) folgend, die sich durch die Vororte schlängelt. Der Weg entlang der Straße ist zwar im Berufsverkehr ziemlich laut, aber interessant, da hier auch die mehrgeschossige Wohnbebauung am Stadtrand sehr ordentlich und einfallsreich ist. In den vermeintlichen Vororten, die offiziell noch zu Málaga gehören, kann man zudem schöne Villen sehen. Hinter der Stadtautobahn habe ich die erste Jakobswegmarkierung entdeckt: eine kleine Stele mit dem Symbol des mozarabischen Weges, einem mittelalterlicher Turm und einer daneben platzierten Jakobsmuschel. Ein Stück weiter setzt auch die Markierung mit gelben Pfeilen ein. Hinter dem (vormittags geschlossenen) McDonald kurz vor der Autobahnabfahrt verlässt der Jakobsweg die Straße und biegt links in ein Wohngebiet ein. Ab hier gibt es die volle Palette der Markierungen, denn nun trifft man auch noch auf blaue Plaketten mit der Muschel an Pfosten und Masten, gepaart mit der rot-weißen Markierung des Fernwanderweges GR-245, dem der Jakobsweg folgt. Der Weg führt ab dem McDonald im Stadtteil Puertosol durch ein Wohngebiet und dann weiter zu einer Unterführung unter der Autobahn. Weiter geht es auf einem Weg, der von Wassermassen regelrecht zerrissen wurde. Da sind breite, einen halben Meter tiefe Klüfte ausgespült worden, so dass da auch kein Geländewagen mehr fahren kann. Der zerfurchte Weg führt auf eine kleine Straße, die wieder in jene Landstraße mündet, die ich vor der Autobahn verlassen habe. Das ist also alles nur eine weitläufige Umgehung der Autobahnauffahrten. Nun geht es zunächst auf einem Fußweg entlang der Straße und dann in einem breiten, derzeit trockenen Flussbett neben der Straße weiter. Man kann sich kaum vorstellen, dass sich diese breiten Flussbette bei lang anhaltendem Regen nicht ausreichen, um die Wassermassen aufzunehmen. An den Rändern zeugen herausragende Wurzeln davon, dass vor kurzem das Wasser wieder ein Stück des angrenzenden Landes mitgerissen hat. Eine Treppe, die man den Wanderern gebaut hat, hängt förmlich in der Luft und an einem Grundstück hat das Wasser die ganze Einfahrt weggerissen. Das Laufen im Flussbett war zwar interessant, aber nicht sehr angenehm, weil da alles voller Schotter ist. Dass man dort bei Starkregen überhaupt nicht laufen kann, ist klar. Aber auch an anderen Stellen des Weges steht man mitunter vor einem winzigen Rinnsal, das man mit einem Schritt überwinden kann. Schaut man sich aber um, dann sieht man an den vom Wasser hinterlassenen Spuren, dass man da bei Starkregen durch einen tiefen, reißenden Bach waren muss oder gar nicht weiter kommt. Das Flussbett, durch welches der Weg führt, mündet in den derzeit fast trockenen Río Campanillas. Ab da geht es stramm bergauf und später immer rauf und runter. Mal auf befahrbaren Wegen, dann wieder auf Schotterpisten oder schmalen Trampelpfaden am Berghang. Einmal musste ich erst ein Pferd verscheuchen, das mitten auf dem schmalen Weg graste. Ein ganzes Stück vorher, noch im Flussbett, bin ich auf einen Esel getroffen, der da unangeleint stand und die wenigen Grashalme aus dem Schotter zupfte. Der hat sich gern streicheln lassen, aber mitkommen wollte er nicht. Schade, Pilgern mit einem Esel an der Leine ist doch in Mode gekommen. Ich habe gerade wieder ein Buch („Muscheln am Weg“) am Wickel, in dem die Reisebuchautorin Carmen Rohrbach mit einem Esel namens Choco durch Frankreich zieht. Das ist nett zu lesen. Aber bei mir wurde nichts aus der Eselstour und ich musste allein die Berge hochstampfen, was sich als ziemlich anstrengend erwies, da mir das Bergtraining fehlt. Es ging bis auf 400 Meter hoch und von dort oben ergab sich ein herrlicher Blick ringsum und über die bereits erklommenen Berge hinweg bis zum Meer. Auf dieser Höhe galt es, noch ein paar Bergkuppen zu umrunden, bevor mein Tagesziel zu sehen war: Almogía. Der Ort zählt zu den „Weißen Dörfern“, weil er fast ausschließlich weiße Bauten hat, die sich an einem Berghang hochziehen. Das sieht immer schön aus, aber oft schwindet der Eindruck, wenn man näher rangekommen ist und fotografieren will. Hier ist das nicht so, weil es vor Erreichen der Stadt nochmal ordentlich runter geht und man beim Abstieg meint, dass sich die Stadt immer weiter nach oben ausbreitet. Und unten angekommen gibt es die böse Erkenntnis, dass man das runter Gelaufene im Ort wieder hochsteigen muss. Das war auch noch mal anstrengend, aber es gab dafür viele schöne Ecken zu sehen. Leider war Siesta und sämtliche Gaststätten und Geschäfte waren geschlossen. Erst hinter der eigentlichen Stadt bin ich an einem Kiosk an der Landstraße zu einem kühlen Getränk gekommen. Von da war es auch nicht mehr weit bis zur Herberge am Rande eines Sportplatzes. Die ist recht ordentlich, hat aber nur sechs Betten. Wider Erwarten waren davon schon vier belegt. Ein Ehepaar aus Lettland und Mutter mit Tochter aus den Niederlanden waren schon vor mir da. Die müssen alle weiter am Stadtrand gestartet sein, denn den ganzen Tag habe ich außer einem entgegen kommenden Wanderer und einem Läufer niemand getroffen. |
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Camino Mozárabe - Tag 1 | ![]() |