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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 8 (Do, 23.4.2026) Von Baena nach Castro del Río (20,3 km)
Gestern habe ich mir das Zimmer mit einem Italiener geteilt. Der ist mit einem Kumpel unterwegs, der aber ein Einzelzimmer nehmen musste, weil er schnarcht. Aber „mein“ Italiener kann das auch, nur nicht so schön rhythmisch als ob jemand sägt, sondern sehr sporadisch, dann aber als ob ein Baum fällt. Vermutlich lässt er (Claine) immer die Bäume umstürzen, die sein Kumpel (Mauricio) ein paar Zimmer weiter absägt. Gestern Abend kamen die beiden vom Einkaufen wieder, als ich gerade weg wollte. Gelegenheit zum Schwatzen gab es da nicht viel. Ich habe bloß gesehen, dass „meiner“ humpelt und heute früh ist er im Bett geblieben, während der andere noch vor mir losgezogen ist.
Hinter Baena ging es gleich mal heftig bergauf. Da hat mich eine junge Engländerin überholt, die heute noch bis Santa Cruz wollte. Das sind über 40 km. In Castillo del Río, meinem Tagesziel, wollte sie nur mal eine Pause machen. Viel mehr war nicht zu erfahren, denn so schnell wie sie mich eingeholt hatte, war sie auch wieder verschwunden. Nach wenigen Kilometern auf und ab durch Olivenhaine kam ich an den Río Guadajoz, den man auf einer ganz normalen Brücke überwinden kann. Dahinter ging es auf einer kaum befahrenen Straße weiter, immer dem Fluss folgend, ohne alle seine Windungen mitzumachen. Da konnte man ganz entspannt laufen und die vielen Blumen am Wegesrand bestaunen. Jetzt fängt gerade der Ginster an zu blühen - der hat ein Gelb, gegen welches das Gelb aller anderen Blumen und des wilden Rapses ganz blass erscheinen. Obwohl ich erst weit nach acht aufgebrochen bin, war ich schon kurz vor zwei in Castro del Río, gerade noch rechtzeitig, um sich vor der Siesta mit Speis und Trank für den Nachmittag einzudecken. Ähnlich wie in anderen Städten, die ich in den letzten Tagen besucht habe, gibt es auch in Castro del Río mitten im Ort einen Berg mit einer Burg und einer großen Kirche drauf. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Herberge oben auf dem Berg, direkt neben besagter Kirche (Iglesia de Nostra Señora de la Asuncíon), die leider auch am Abend geschlossen war. Es ist eine städtische Herberge, für die man sich per WhatsApp den Zugangscode holen soll. Die (mobile) Telefonnummer ist aber nicht bei WhatsApp registriert. Und SMS scheint hier niemand zu lesen. Also habe ich es mal mit einem Anruf probiert und natürlich jemand dran gehabt, der nicht einmal Yes und No verstanden hat. Aber er hat geschnallt, dass ich reservieren will. Nur einen Code gab es nicht. Nun bin ich einfach zur Herberge hin und hatte Glück, dass die Tür offen stand, weil ein spanischer Radpilger, der mich kurz vorher überholt hat, sein Fahrrad rein trug. Später habe ich gesehen, dass außen an der Tür ein QR-Code hängt, der zu einem Registrierungsformular führt. Wenn man das ausgefüllt hat, bekommt man vermutlich seinen Code. Den hatte ich mir da aber schon von meinem Zimmergenossen besorgt. Ich bin gleich ins erste der beiden Zimmer rein und treffe dort auf den Italiener Claina, mit dem ich mir gestern schon ein Zimmer geteilt habe. Der lag im Bett und hatte einen dicken Eisbeutel um sein Knie gewickelt. Er ist heute nicht gelaufen, sondern mit Bus oder Taxi hergefahren. Sein Kumpel Mauricio, der bisher als einziger Schnarcher galt, teilt sich das andere Zimmer mit dem spanischen Radler. Ich habe Claina damit konfrontiert, dass auch er ordentlich schnarcht, worauf der meinte, dass ich auch Geräusche von mir gäbe. Das ist mir neu, aber wenn dem so ist, dann sind wir quitt. Wir haben lachend abgeklatscht und gemeinsam die zwei schwarz-roten Büchsen vertilgt, die ich im Gepäck hatte. Nachdem aus dem Nachbarzimmer die Kunde kam, dass ein Vogel im Haus unterwegs ist, hatten wir plötzlich eine Schwalbe im Zimmer, die aufgeregt hin und her flog. Die wollte ich gern raushaben, denn wer im Flug an die Wand kacken kann, hat bestimmt auch keine Ehrfurcht vor einer Glatze. Irgendwann hatte ich sie bis ins Treppenhaus vertrieben und später ins Erdgeschoss, wo es einen türlosen Gang zu einem nach oben offenen Innenhof gibt. Den hat sie dann nach langem Umherschwirren gefunden und war endlich weg. Ein paar Minuten später war sie aber wieder zurück. Nun habe ich sie ungestört rumflattern lassen und nur auf meine Glatze aufgepasst. Ich saß nämlich inzwischen in der Küche und habe was vom mitgebrachten Proviant gegessen. Anschließend habe ich ausgiebig Mittagsschlaf gemacht. Nach fünf bin ich zu einem wenig erquicklichen Stadtbummel los, da es wider Erwarten nicht viel zu sehen gab. Die Festung kann man wohl gar nicht besichtigen, obwohl da viel restauriert ist, und von den Kirchen war nur eine einzige auf. Unterwegs habe ich die beiden Italiener getroffen, die gerade vom Einkaufen kamen. Claina, der furchtbar gehumpelt ist, wollte sich unbedingt für das Bier revanchieren und mich in eine Bar einladen. Da auf dem Weg zur Herberge aber nur eine wenig einladende Dönerbude war, hat er aus einem kleinen Laden drei eiskalte Büchsen geholt und wir haben uns damit auf einer Parkbank im Schatten niedergelassen. Die war hervorragend positioniert, denn da konnte man gut beobachten, wie sich die Autos in den engen, steilen Gassen hoch und runter quälen, mit eingeklappten Spiegeln um falsch parkende Autos manövrieren oder das Anfahren am Berg üben. Einer hatte in der abschüssigen Straße genau vor dem Revier dicht hinter einem Polizeiauto geparkt und hat große Mühe gehabt, im Rückwärtsgang da weg zu kommen. Hätte es gebumst, wären die Polizisten zum Glück schnell da gewesen. Einige Zeit habe ich heute mit der Suche nach einem Quartier in Córdoba verbracht. Der Pilgerführer nennt da einige, auch sehr preiswerte. Aber in der Hochsaison, die hier die Ausflugsorte haben, ist es natürlich schwierig, von Sonnabend zu Sonntag was zu finden. Alle, die ich angeschrieben habe, oder bei denen man auf einer Webseite die Verfügbarkeit checken konnte, waren ausgebucht. Auch das, bei dem Claina für mich angerufen hat. Beim recht preiswerten „Mayflowers Hostel“ war zudem die Webseite etwas mysteriös und wies eher auf einen Swingerclub hin. Und sowas am Pilgerweg! Das einzige Angebot, das ich bekommen habe, war ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad für 55 €. Das hätte mich zwar nicht in den Ruin getrieben, aber ich bin doch kein Tourist! Letztlich habe ich doch Erfolg gehabt und ca. 8 km hinter Córdoba in einer Urbanisation ein Zimmer mit Frühstück für 30 € buchen können. Der WhatsApp-Konversation nach sind das nette Leute. Ich werde also übermorgen zeitig in Santa Cruz aufbrechen, mir das 25 km entfernte Córdoba anschauen und dann am späten Nachmittag zu besagter Unterkunft laufen. |
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Camino Mozárabe - Tag 8 | ![]() |