
| Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda | ![]() |
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Tag 0 (So, 18.1.2026) Hinflug nach Alicante, Bus nach Torre de la Horadada
Meine lieben, treuen Wegbegleiter. Ihr seid wieder gefordert. Ich sitze am BER und warte auf meinen Flug nach Alicante, von wo ich mich für zwei Wochen auf einen Jakobsweg begeben will.
Meine nächste Pilgertour war eigentlich für April geplant, wenn ich mich von Málaga auf den Mozarabischen Jakobsweg nach Mérida begeben will. Weil es aber bis dahin noch so weit ist, habe ich ziemlich kurzentschlossen eine 2-Wochen-Tour dazwischen geschoben, schon um dem hiesigen Winterwetter zu entfliehen. Kriterium für die Auswahl der Tour waren also die klimatischen Bedingungen. Ich kann ja nicht so lange warten, bis der Klimawandel heimatliche Wintertouren im leichten Dress erlaubt.
Weil die Mittelmeerküste dafür bekannt ist, dass es da meist wärmer als bei uns ist, habe ich mir dort einen Start- und Zielort gesucht. Dafür bot sich Alicante an, wo man im Winter für wenig Geld hinkommt. Von der umgebenden Costa Blanca führen gleich mehrere Caminos ins Landesinnere, besser gesagt vier Zweige des Camino del Sureste (Weg des Südostens), die in Benidorm, Alicante, Torre de la Horadada sowie Cartagena beginnen und noch vor Albacete zusammenlaufen. Bis dort würde ich es gern schaffen. Weiter ins Landesinnere sollte man nicht unbedingt im Winter wollen, denn in Zentralspanien kann es im Januar doch recht kühl werden. Schon in Albacete muss man nachts mit Temperaturen um 0 Grad rechnen, für Alicante sind 5…15 Grad vorhergesagt, leider auch etwas Regen. Auf direktem Weg sind es von Alicante nach Albacete nur 185 km. Auf dem Ramal Sur (südlicher Weg) des Camino del Sureste sind es von Torre de la Horadada nach Albacete hingegen 275 km, genau richtig für knapp zwei Wochen. Ich habe mir deshalb diesen Weg ausgesucht, zumal der durch so schöne Orte wie San Miguel de Salinas, Orihuela und Elche führt, an die ich noch gute Erinnerungen habe, auch wenn die letzten Autotouren in dieser Gegend fast zwanzig Jahre zurückliegen. Quartiere habe ich noch nicht reserviert, aber sobald abzusehen ist, dass mein Flug halbwegs pünktlich ist, werde ich noch das erste Quartier in Torre de la Horadada, dicht am Startpunkt des Ramal Sur buchen. Da ist lediglich bis 20 Uhr Check-In, was nur mit dem 17-Uhr-Bus ab Alicante bzw. dem 18-Uhr-Bus ab Torrevieja zu schaffen ist. Bis jetzt ist noch keine Verspätung angezeigt. 11.30 Uhr. Ich sitze im Ryanair-Flieger nach Alicante und der scheint pünktlich abzuheben. Da bekomme ich sicher den 16-Uhr-Bus nach Torrevieja, vielleicht sogar den eine Stunde früher. Dann habe ich dort keinen Stress beim Umsteigen in den Bus nach Pilar de la Horadada, der fünf nach sechs fährt und fünf vor sieben in Torre de la Horadada ist. In der dortigen „Albergue las Salinas“ habe ich gerade ein Bett im sicher nicht vollen 8-Bett-Schlafsaal gebucht. 18 € - viel billiger wird es auf dieser Reise sicher nirgendwo abgehen. Auf diesem Weg gibt es kaum etwas an Pilgerweg-typischer Infrastruktur. Kein Wunder, denn von den 530.915 Pilgern, die voriges Jahr in Santiago angekommen sind und sich dort die Compostela abgeholt haben, sind nur 69 auf dem Camino del Sureste gelaufen - alle vier Varianten zusammengerechnet. Es ist also auch nicht zu erwarten, dass ich durch allzu große Pilgerscharen belästigt werde. Ich hoffe, dass trotz der wenigen Pilger ein paar Kirchen am Wegesrand geöffnet sind, denn die sind sicher größtenteils sehr sehenswert. Der Flieger nach Alicante, der fünf Minuten nach der angegebenen Zeit losgerollt ist, ist sogar richtig voll geworden. Bei dieser unerwarteten Nachfrage ist es erstaunlich, dass ich Hin- und Rückflug zusammen für 56 € buchen konnte - natürlich wieder nur mit kostenfreiem Unter-dem-Sitz-Gepäck. Bei den heimatlichen Temperaturen war es kein Problem, möglichst viel anzuziehen und den Rucksack mit dem Rest (4,2 kg) auf das geforderte 20x30x40-cm-Format (24 Liter) zu bringen. Mit allen Sachen am Leib, dem Rucksack und der ziemlich schweren Bauchtasche mit Smartphone(s), Powerbank etc. liege ich knapp unter 8 kg. Das ist ok. Ich habe letztens im Pilgerverein den Vortrag eines Professors gehört, der zugleich dem Verein vorsteht, welcher die beliebte Herberge in La Faba, kurz vor O‘Cebreiro betreibt. Der macht jedes Jahr mit seinen Studenten eine zweiwöchige Pilgertour und da darf keiner mehr als 24 Liter mitnehmen. Das Gepäck so zu reduzieren, schaffen also auch andere. Besagter Professor hat übrigens auch erzählt, dass die weit von Santiago entfernten Herbergen inzwischen um Pilger kämpfen müssen, da zwar die Gesamtzahl der Pilger wieder deutlich gestiegen ist, aber die Zahl derer, die einen langen Weg auf sich nehmen, ständig zurückgeht. Wenn man sich die Statistiken auf der Webseite des Pilgerbüros der Kathedrale von Santiago (oficinadelperegrino.com) anschaut, dann sieht man beispielsweise, dass die Zahl derer, die in Sarria auf die letzten 100 km oder in Porto auf den Zehn-Tage-Weg nach Santiago starten, überproportional gestiegen ist, aber z.B. immer weniger in St.-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen loslaufen. Als ich nach Erreichen der Reiseflughöhe zusammen mit den morgens geschmierten Stullen die im Duty Free erworbene Berliner-Kindl-Dose raus holte, habe ich den neugierigen Blick meiner Sitznachbarin geerntet, den ich mit „Frühstück“ quittiert habe. Darauf zog sie eine Flasche Martini aus der Handtasche und ließ ein „Abendbrot“ verlauten. Na dann, guten Appetit! Es geht gerade über die Alpen - ein schöner Blick auf schneebedeckte Gipfel, den ich, eingeklemmt auf dem mittleren Sitzplatz leider nicht richtig genießen kann. Aber ich kann mich trösten. Hätte ich Aufpreis für einen Fensterplatz bezahlt, wären bestimmt nur Wolken zu sehen. 14.30 Uhr. Wir sind im Landeanflug. Es sieht zeitlich also ganz gut aus. Wenn die hier auf dem Flughafen nicht so bummeln wie bei uns, dann könnte es sogar noch was mit dem 15-Uhr-Bus werden. Ich hoffe, dass man da beim Fahrer bezahlen kann. Das Buchen eines Online-Tickets ist in Spanien immer so mühselig und ob und wo es hier einen Schalter gibt, weiß ich nicht. Gerade geht es durch ziemlich dichte Wolken. Dabei sollte es doch heute sonnig sein! Die Wolken bringen es mit sich, dass es beim Runtergehen ziemlich rumpelt. Aber nun nimmt der Flieger schon seine letzte Kurve - leider müssen wir von der Landseite anfliegen, was wieder ein paar Minuten länger dauert. Aber unter den Wolken ist eine gute Sicht auf die Landschaft, durch die ich in den nächsten Tagen laufen will. Der Flieger war fast auf die Minute pünktlich und zehn vor drei stand ich an der Bushaltestelle. Der Bus kam auf die Minute genau, dann hat es aber zehn Minuten gedauert, bis es los ging, denn es wollten einige Leute mit und man konnte und musste im Bus bezahlen (7 € bis Torrevieja). Durch gezielten Ellenbogeneinsatz habe ich ganz vorn im Bus einen Platz bekommen. Dank sauberer Frontscheibe versprach das eine interessante Fahrt zu werden. Echte Sehenswürdigkeiten gibt es nicht entlang der Schnellstraße, aber ganz grob konnte ich mich an manches erinnern. Zum Beispiel an das Krankenhaus, das ein Investor der Stadt „geschenkt“ hat - dafür, dass sie seine fast wertlosen Orangenplantagen zum Bauland erklärt hat … Natürlich kamen auch die großen Salinen in Erinnerung, an denen man vorbeifährt. Nur fehlten da die früher in großer Menge präsenten Flamingos, die alle mit einem Bein im Wasser standen. Entweder ziehen die im Winter weg, oder sie haben auch das zweite Bein angewinkelt, sind ins Wasser gefallen und ertrunken. Von den als Flamingo-Ersatz fungierenden weißen Vögeln hat man leider nur die Hintern zu sehen bekommen, weil die alle den Kopf ins Wasser steckten, um da am Boden was aufzupicken. Ornithologisch war das heute also ein Reinfall. Dafür hat aber alles andere prima geklappt. Trotz verspäteter Abfahrt war der Bus zehn Minuten vor der Zeit in Torrevieja. Da habe ich mir gleich am Schalter ein Ticket nach Torre de la Horadada gekauft (1,90 €), obwohl man auch beim Fahrer hätte bezahlen können. Bis zur Abfahrt hatte ich nun noch zwei Stunden Zeit, die ich für einen Spaziergang auf der ganz netten Uferpromenade genutzt habe. Da war es bei dem schönen Wetter ziemlich voll, was vor allem die „Schwarzhändler“ mit ihren Shirts, Brillen und Markentaschen-Imitaten gefreut hat. Im Burger King habe ich noch einen Imbiss genommen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das war jener, in dem die baskische ETA im August 2002 eine Bombe gezündet hat. Damals, als wir hier gerade Urlaub gemacht haben, gingen in der Gegend laufend ETA-Bomben hoch. In Santa Pola gab es dabei sogar Tote. Außer der Promenade hat Torrevieja leider nicht viel zu bieten. Die Stadt ist 1829 bei einem Erdbeben zerstört und danach neu aufgebaut worden. Was man jetzt in der 100.000-Einwohner-Stadt vorfindet, sind rechtwinklige Straßen mit mehr oder weniger hässlichen Häusern, vermutlich aus den Siebzigern. Auch die Kirche (Parroquia del Sagrado Corazón de Jesús) ist neueren Datums, allerdings ganz nett anzusehen. Der Bus nach Torre de la Horadada war bis auf wenige Minuten pünktlich. Inzwischen war es fast dunkel, aber da hier nicht an Leuchtreklame gespart wird, gab es trotzdem was zu sehen. Interessant waren vor allem die Spritpreise an den Tankstellen, die an Selbstbedienungstankstellen oft unter 1,30 € lagen. Die Renner waren Diesel für 1,209 € und Super für 1,259 €. Die Haltestelle von Torre de la Horadada ist zwar ziemlich zentral im Ort, aber da mein Hostel am südlichen Ende liegt, waren nach der Ankunft noch 3,5 km entlang endloser Urbanisationen zu laufen. Das Hostel (Albergue de Salinas), offiziell eine Jugendherberge, ist sehr modern, aber offenbar überwiegend von arabischen Gastarbeitern bewohnt. Mein Bett ist in einem Zimmer mit acht Betten (4 Doppelstockbetten), von denen 5 zerwühlt, aber offenbar verlassen sind. Da kein Gepäck rumsteht und keine Sachen rumhängen, ist das Zimmer vermutlich leer und nur noch nicht hergerichtet worden. Das sollte mir sehr recht sein. Klo, Waschbecken und Dusche sind direkt am Zimmer und ich hätte dann alles für mich allein. Ich habe vorhin geschrieben, dass man hier kaum günstiger übernachten kann. Mit etwas Geduld hätte ich aber sogar noch etwas sparen können, da am Nachmittag der Preis nochmal um zwei Euro runtergegangen ist. Da es in der Herberge statt der versprochenen Bar nur Automaten mit jugendfreien Getränken gibt, habe ich lediglich meinen Rucksack abgestellt und mich dann auf die Suche nach einer Tränke begeben. Um richtig essen zu gehen, war ich nicht hungrig genug. Gar nicht weit entfernt vom Hostel bin ich auf eine Kneipe mit einem Guinness-Schild an der Tür gestoßen, die fest in der Hand der hier sesshaften Engländer ist. Kneiper und alle Gäste plaudern auf Englisch und aus dem Hahn kommt das irische Guinness - als ob Iren und Engländer schon immer die besten Freunde waren. Im Fernseher über der Bar läuft gerade das Länderspiel Senegal gegen Marokko. Da es eine viertel Stunde vor dem Schluss noch 0:0 steht und die Trikots nichts mit den Landesfarben zu tun haben, weiß ich immer noch nicht, wer da was ist … |
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