Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda
Tag 1 (Mo, 19.1.2026) Von Torre de la Horadada nach San Miguel de Salinas (28,7 km)
Es ist gestern Abend später geworden als gedacht. Ich bin zwar kein großer Fußballfans, aber da das Spiel Senegal gegen Marokko (Afrika-Cup) recht spannend war, wollte ich mir das noch zu Ende anschauen. Außerdem wollte ich kein halbvolles Guinness-Glas stehen lassen. Kurz vor dem Schluss gab es eine längere Unterbrechung, weil zwei Kopfballkünstler aneinander gerammelt sind und einen „Turban“ verpasst bekamen. Als die acht Minuten Nachspielzeit fast rum waren, hat ein Grüner (Senegal?) einen Weißen (Marokko?) vor dem grünen Tor an der Schulter gepackt und zu Boden gerissen. Mit dem dabei entwickelten Schwung hat er den Ball weg geköpft und damit ein Tor verhindert. Der Schiedsrichter hat nach VAR-Sichtung m.E. völlig zu Recht auf Elfmeter entschieden. Damit wollten sich die Grünen aber nicht abgeben, sondern haben nicht nur den Schiedsrichter belegt, sondern sind auch die Weißen angegangen. Das hat die Trainer, die auch verbal aufeinander losgegangen sind, und alle möglichen Offizielle auf das Spielfeld gelockt, das bald ziemlich gut gefüllt war, obwohl ein paar Grüne schon verärgert in der Kabine verschwunden waren. Es hat nicht viel gefehlt und es hätte zwischen den Mannschaften eine ordentliche Keilerei gegeben. Der weiße Schütze wurde dann wiederholt daran gehindert, den Ball auf den Punkt zu legen und als er nach fast fünfzehn Minuten Unterbrechung endlich zum Schuss kam - hat er verschossen, d.h. der grüne Torwart hat gehalten. Kurz darauf war dann das Spiel mit 0:0 beendet und mein Guinness-Glas leer.

In der Herberge ist es dabei geblieben, dass ich das Zimmer für mich allein habe. Da die Heizung auf 27 Grad gestellt war und sich nicht so einfach umprogrammieren ließ, habe ich sie für die erste Nachthälfte ausgeschaltet und dafür das Fenster aufgemacht. Kurz vor dem finalen Aufstehen, das trotz guten Schlafs schon kurz vor sechs war, habe ich die Heizung nochmal scharf gemacht, damit es beim Anziehen nicht so lausig ist.

Nach einem Becher Kaffee aus dem Automaten bin ich dann um viertel sieben losgezogen, zunächst in Richtung Zentrum von Torre de la Horadada. Auf halben Weg hätte ich schon auf den Camino de Sureste einschwenken können, aber nun hatte ich den Ehrgeiz, noch bis ins Zentrum zum offiziellen Startpunkt zu laufen. Auf der Karte hatte ich nämlich neben der Festung am Meer ein entsprechendes Denkmal entdeckt. Das entpuppte sich zwar als eine schlichte Tafel an einem Betonklotz, aber nun kann ich wenigstens versichern, dass ich den Weg von Anfang an gelaufen bin.

Gegenüber dem Startpunkt ist ein Revier der Guardia Civil, aber die Herren waren leider nicht dazu zu bewegen, mir einen Stempel in den Pilgerpass zu drücken. In den Pilger­führern steht immer, dass man sich u.a. bei der Polizei einen Stempel holen kann, aber das ist mir bisher erst zweimal geglückt. Die Polizisten denken wohl immer, dass man sich mit dem Stempel einen Freibrief gegen jegliche polizeiliche Verfolgung erschleichen will.

Da Rathaus, Kirche und Post noch geschlossen waren, bin ich vor Verlassen des Ortes nochmal eingekehrt, nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich da einen Stempel bekomme. Der Wirt, bei dem ich um kurz vor sieben zwecks Café con leche und Tomaten­toast Halt gemacht hatte, war nämlich leider stempellos.

Weil zu viel Kaffee angeblich nicht gesund ist, habe ich mich nun zu einem anderen Getränk hinreißen lassen und prompt dazu ein Schälchen Oliven, zwei gefüllte Teigbällchen und Weißbrot bekommen. Das war sozusagen ein vorgezogenes Mittagessen.

Im Fernseher lief gerade eine Live-Übertragung vom Ort des schrecklichen Eisenbahn­unglücks gestern Abend. Da sind bei Córdoba zwei Hochgeschwindigkeitszüge ineinander gerast, was mindestens 40 Menschenleben gekostet hat. Das hat mich insofern ganz besonders bewegt, weil ich vor wenigen Wochen, Mitte November, genau auf dieser Strecke mit einem Renfe-Hochgeschwindigkeitszug von Sevilla nach Madrid gefahren bin …

Vom Startpunkt ab verläuft der Weg zunächst entlang des Ufers und dann neben bzw. in einer breiten, befestigten Flutrinne landeinwärts bis Pilar de la Horadada. Die derzeit leere Flutrinne mag zum Kopfschütteln anregen, aber wenn man sieht, wie der Boden um die weit hochgezogenen Kanalisationsschächte weggespült ist und wie in nicht betonierten Abschnitten der Rand zerfressen ist, bekommt man eine Vorstellung davon, wie hier nach längeren Regengüssen das Wasser entlang rauscht.

Hinter Pilar de la Horadada ging es zunächst ein Stück entlang der Landstraße, u.a. vorbei an einer großen Autowaschanlage. Das Besondere ist hier ein Waschsalon mit x Wasch­maschinen gleich nebenan. Hierher kann man einen Familienausflug machen - der Vater wäscht das Auto und die Mutter die Dreckwäsche. Oder umgekehrt.

Dann weist ein Markierungsstein des Jakobsweges von der Straße weg nach rechts in eine Plantage, in der Obst und Gemüse teils im Freiland und teils unter Folienzelten angebaut werden. Solche Steine mit einem eingemeißelten „Camino del Sureste“ und einer (mitunter schon geklauten) Keramik-Plakette standen bisher an allen Punkten, an denen man abbiegen muss. Leider haben hier wie auf vielen anderen Caminos übereifrige Wege-Markierer auch diese bereits mit einem Pfeil versehenen Steine ringsum mit gelben Pfeilen bemalt. Eine wirkliche Unsitte.

Nach wenigen hundert Metern stößt der Weg dann auf einen Kanal, der in einer betonierten Rinne verläuft und derzeit ganz gut Wasser führt. Mindestens auf einer Seite des Kanals ist eine Service-Straße, auf der teilweise Autofahren erlaubt, an anderen Stellen aber verboten ist. Außer Radfahrern, die hier sehr reichlich unterwegs sind, begegnet einem da aber nur selten jemand.

Immer entlang des Kanals ging es heute bis San Miguel de Salinas. Das waren bestimmt zwei Drittel des insgesamt etwa 30 km langen Weges. Da der Kanal ohne größere Stufen durchs Land zieht, teils in Felsen eingeschnitten, dann wieder auf Dämmen über Täler geführt, war das Laufen ganz ohne Höhenmeter sehr entspannt. Trotz Pausen war ich schon kurz nach drei an meinem Zielort San Miguel de Salinas. Außer der offen stehenden Kirche habe ich da aber nicht viel Sehenswertes entdeckt, weshalb ich mich entschlossen habe, schon mit dem Bus um 15.40 Uhr, statt wie geplant eine halbe Stunde später zu meinem Quartier zu fahren. In San Miguel habe ich bei booking.com nichts Bezahlbares gefunden, weshalb ich mir ein Hostel in Playa Flamenca ausgesucht habe.

Die auf booking.com gefundene 21-Euro-Herberge „Zenia Hostal“ in der Siedlung „Playa Flamenca“ ist zwar ein paar Kilometer von San Miguel entfernt, aber gut zu erreichen, da sie dicht am Einkaufszentrum (Centro Comercial, kurz „C.C.“) „Zenia Boulevard“ liegt, das von der Buslinie 49 (Orihuela - San Miguel - Torrevieja - C.C.) angefahren wird. Durch den Umweg über Torrevieja braucht man zwar für die 7,3 km Luftlinie eine Stunde, aber da dies nur 1,65 € kostet und man viel zu sehen bekommt, ist das ok, sofern man keine Eile hat.

Die Fahrzeiten des Busses findet man zwar im Internet recht einfach, etwas schwieriger ist es, die richtige Haltestelle zu finden. Ich bin in San Miguel mehrere in der Karte vermerkte Bushaltestellen angelaufen. Immer befindet sich nur auf einer Straßenseite ein Warte­häuschen - ohne Zielangabe, aber immerhin mit Fahrplan, was nicht unbedingt üblich ist. Der Fahrplan listet aber die Hin- und Zurück-Verbindungen, so dass man nicht weiß, ob hier der Bus in der richtigen Richtung fährt. Passanten zu befragen ist wenig hilfreich, weil die entweder kein Englisch sprechen oder selbst unwissende Touristen sind.

Ich bin also zu einer Haltestelle gelaufen, wo der Bus laut Karte sicher vorbeikommen muss. Auch da gab es nur ein Wartehäuschen - auf der vermeintlich falschen Seite. Aber man hat hier im Ort die Buslinien so gelegt, dass die Busse von und nach Orihuela in der gleichen Richtung durch die Stadt fahren und an den gleichen Wartehäuschen halten. Das spart zwar Wartehäuschen, ist aber für Fremde ziemlich verwirrend, zumal man nun immer den Busfahrer fragen muss, in welche Richtung er fährt, weil im Zielanzeiger alle angefahrenen Orte durchlaufen.

Also, ich habe die Hürde genommen und bin gut zu meinem Quartier gekommen. Das Hostel liegt mitten in einer Urbanisation, also einem Wohngebiet aus Einzel- und Reihenhäusern, und ist sehr ordentlich. Es ist ein einstöckiges Haus mit drei Schlafräumen und einem Familienzimmer, in einem großen Garten mit Pool gelegen. Es gibt einen gemütlichen Aufenthaltsraum, eine sehr gut eingerichtete Küche sowie reichlich Essplätze in der Küche und auf der Terrasse. Das Hostel ist damit wirklich zu empfehlen. Und momentan ist da auch nicht viel Betrieb. Ich teile mir derzeit mit einem jungen Ukrainer ein 8-Bett-Zimmer.

Ich habe nach der Ankunft noch schnell verspeist, was ich mir unterwegs gekauft hatte: eine Salatschüssel „Istanbul“, die alles enthält, was man braucht, um sich selbst einen Döner zu fertigen: mehrere kleine Fladenbrote, Fleisch, Salat, Käse und Soße. Nicht schlecht - bis auf die Fladenbrote, die wie pappige Kekse schmeckten. Der Rest, wie bei mir üblich mit einem Glas Paprikastreifen verfeinert, war aber sehr lecker.

Nach dieser Stärkung habe ich mich in das Einkaufszentrum aufgemacht, um für Abendbrot und Frühstück einzukaufen und um zu erkunden, wo dort morgen mein Bus zurück nach San Miguel fährt. Hier her bin ich nämlich etwas eher an einer noch günstiger gelegenen Haltestelle ausgestiegen, die allerdings nur aus einer „Bus“-Bemalung auf der Straße besteht. Da möchte ich mich morgen nicht hinstellen und darauf vertrauen, dass dort der richtige Bus vorbei kommt und dann auch noch anhält.

Das Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“ ist wirklich gewaltig und recht schön. Es gibt viele attraktive Geschäfte und einladende Gaststätten. Dorthin kann man durchaus einen Tagesausflug machen. Ich habe im Einkaufszentrum zwar eine große Runde gedreht, aber richtig interessiert hat mich nur der Supermarkt - ein Alcampo, das ist die spanische Version des französischen Auchan. Mit 42 Kassen (allerdings inklusive der Selbstbedienungskassen) ist der auch kein Winzling. Da habe ich alles bekommen, was ich fürs Abendbrot brauche, auch die von mir geliebte Meeresfrüchte-Paella für die Mikrowelle.

Camino del Sureste - Tag 1

Torre de la Horadada, der namensgebende Festungsturm „Torre Vigía de la Horadada“
Torre de la Horadada, Tafel am Startpunkt des Camino del Sureste - Ramal Sur (südliche Variante)
Torre de la Horadada, Hafen
Torre de la Horadada, Paseo del Sardinero
Torre de la Horadada, Bar „Chiringuito Las Pistas“. Die Beilagen zum Bier sind wie ein zweites Frühstück.
Torre de la Horadada. Im Fernsehen wird über das Zugunglück bei Cordoba berichtet.
Der Weg von Torre de la Horadada nach Pilar de la Horadada verläuft in der Flutrinne der „La Rambla“.
Der Weg von Torre de la Horadada nach Pilar de la Horadada verläuft in der Flutrinne der „La Rambla“.
Pilar de la Horadada, Kirche „Unserer lieben Frau von der Säule“ (Nuestra Señora del Pilar)
Pilar de la Horadada, Markierung des Camino del Sureste
Pilar de la Horadada, Waschanlagen für Autos und für Dreckwäsche dicht beieinander
Pilar de la Horadada. Ein ordentlicher Pfeil auf dem Markierungsstein scheint nicht zu reichen.
Hinter Pilar de la Horadada, Carretera del Trasvase am Canal Campo de Cartagena
Hinter Pilar de la Horadada, Carretera del Trasvase am Canal Campo de Cartagena
Hinter der Überquerung des Rio Seco, eine Plantage mit der Rinne eines Sturzbaches
Der Canal Campo de Cartagena
Hinter Pilar de la Horadada, neu angelegte Plantagen
Der Canal Campo de Cartagena
Die Siedlung „Las Ramblas“ am Canal Campo de Cartagena
Die Siedlung „El Farallón“ am Canal Campo de Cartagena
Die Urbanisation „Castillo de Don Juan“ am Canal Campo de Cartagena
Die Urbanisation „Castillo de Don Juan“ am Canal Campo de Cartagena
Der Canal Campo de Cartagena durchquert vor San Miguel de Salinas mehrere größere Hügel.
San Miguel de Salinas, Schriftzug an der Carrer Galant Delgado (CV-491)
San Miguel de Salinas, Parroquia de San Miguel Arcángel an der Plaza Libertad
San Miguel de Salinas, Bank vor dem Rathaus
Busfahrt von San Miguel zum Quartier in Playa Flamenca, Herrenhaus an der Urbanisation „Lago Jardin“
Busfahrt von San Miguel zum Quartier in Playa Flamenca, die Urbanisation „Lago Jardin“
Zenia Hostel in der Urbanisation „Playa Flamenca I“
Zenia Hostel in der Urbanisation „Playa Flamenca I“
Zenia Hostel in der Urbanisation „Playa Flamenca I“
Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“
Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“
Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“
Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“
Sonnenuntergang am Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“