
![]() |
Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda | ![]() |
|
Tag 2 (Di, 20.1.2026) Von San Miguel de Salinas nach Orihuela (25,8 km)
Ich muss wohl an seniler Bettflucht leiden, denn heute war ich schon wieder sehr zeitig wach und wäre am liebsten gleich losgelaufen. Aber der erste Bus nach San Miguel ging erst um 8.15 Uhr. Das heißt, viel früher als um acht loszugehen, machte keinen Sinn. Also habe ich mich noch bis kurz vor sieben im Bett gewälzt und dann sehr ausgiebig gefrühstückt. Das gestern Abend warm gekaufte Baguette war auch ohne Toaster noch gut brauchbar. Löslichen Kaffee habe ich reichlich - ich habe eine 100g-Abpackung gekauft, weil das die einzige in einer Plastikdose war, die 50g-Abpackungen waren alle in Gläsern und deutlich schwerer.
Es war gut, dass ich zur Endhaltestelle des 49er Busses am Einkaufszentrum „Zenia Boulevard“ gelaufen bin, denn die etwas näher gelegene Haltestelle, an der ich gestern ausgestiegen bin, ist der Bus gar nicht angefahren. Die Fahrt ging wieder über den abenteuerlichen Busbahnhof von Torrevieja. Auf einem kleinen Hof sind da nebeneinander 10 Haltebuchten, in welche die ziemlich langen Busse vorwärts rein und rückwärts raus müssen, was nicht so einfach ist. Nicht jeder Busfahrer schafft es, in einem Zug da einzuparken und (erfreulicherweise) rufen einige Fahrer beim Zurücksetzen einen Kollegen zu Hilfe. Nach San Miguel ging es dann vorbei an der Urbanisation „Lago Jardin“, in der wir vor etwa 20 Jahren wiederholt Urlaub gemacht haben. Sofern man das vom Bus aus beurteilen kann, hat sich da nicht viel geändert. Auch die Ruine eines sicher mal sehr noblen Herrenhauses (?) direkt an der Straße steht noch unverändert da. Erstaunlicherweise ist die in den zwei Jahrzehnten noch nicht eingestürzt. Aber ein Retter, der daraus was macht, hat sich offenbar auch noch nicht gefunden. In San Miguel bin ich am Rathaus ausgestiegen, da wo ich mich gestern nicht getraut habe, auf den Bus zu warten, weil die Haltestelle vermeintlich auf der falschen Seite steht, wenn man nach Torrevieja will. Da das Rathaus gestern gerade wegen Siesta geschlossen war, bin ich heute als Erstes rein, um mir einen Stempel zu holen. Den gab es erstaunlicherweise gleich vorn bei der Dame am Empfang. Das ist sogar ein richtiger Pilgerstempel mit Muschel. Ich erinnere daran, dass hier nur sehr wenige Pilger unterwegs sind. Da ist es erstaunlich, dass man für die sogar spezielle Stempel vorhält. Ab dem Rathaus konnte ich lückenlos meine Pilgertour fortsetzen, so dass ich mich nicht dem Vorwurf der Schummelei durch Busbenutzung aussetzen muss. Hinter der Stadt ging es ein paar Meter entlang des Kanals, der mich gestern begleitet hat. Dann bog der Weg links ab in die Plantagen. Erfreulicherweise sind hier viele neu angelegte Plantagen, mit und ohne Folienzelt. Nur selten sieht man mal eine aufgegebene Plantage oder zerrissene Folienzelte, die man in Andalusien oft zu sehen bekommt. Wenn man hier meint, auf eine große, hellgraue Wasserfläche zu schauen, dann sind das riesige Plantagen, die komplett und sehr ordentlich mit Folie überdacht sind. Nach dem Passieren einer kleinen Siedlung an der CV-951 führt der Weg zu einem laut Karte sehr großen Stausee und dann an dessen Ufer entlang. In Wirklichkeit ähnelt der Stausee eher einem großen Dorfteich und ist weit vom Weg entfernt. Das heißt, nur ein Bruchteil der für den Stausee vorgesehenen Fläche steht unter Wasser. Und wenn man sich die Vegetation zwischen See und Weg anschaut, dann war das vermutlich seit vielen Jahren nicht anders. Wie ich da so vor mich hin trotte, habe ich plötzlich zwei große, aneinander gekettete Hunde erst neben und dann vor mir, womit sie mir den Weg versperrten. Die waren zum Glück nicht angriffslustig, sondern wollten nur schlabbern, was sie aber so intensiv gemacht haben, dass ich mangels Fluchtweg an der Böschung zu Boden ging. Nun konnte ich den Beiden direkt in die Augen und in den Rachen sehen. Es hat mich ja gereizt, ein Bild zu machen, aber seit mir mal ein Hund eine Cola-Dose abgenommen hat, lasse ich bei solchen Aktionen lieber das Smartphone in der Tasche. Ein Hund sah im Gesicht übrigens aus wie das Phantom der Oper. Diese Rasse soll recht bissfreudig sein, aber entweder war das ein besonders zarter Abkömmling oder die Beiden haben einfach keinen Hunger gehabt. Sie haben zum Glück das Schlabbern bald aufgegeben und sind im Gestrüpp neben dem Weg verschwunden. Der Stausee hat natürlich auch eine „Mauer“, in diesem Fall einen riesigen, aufgeschütteten Erdwall, denn das dahinter befindliche Land liegt einige Meter tiefer. Zwei Wassereinläufe lassen das Wasser in die Tiefe schießen, wo es einen natürlichen „Beckenrand“ unterquert und dahinter ein einen künstlichen Kanal fließt, wie er gestern stets neben mir war. Vermutlich sind da in der Tiefe oder in dem Maschinenhaus am Wasseraustritt auch Turbinen, aber es fehlt das übliche Umspannwerk und es sind keine Freileitungen zu sehen. Da, wo die Straße einen Knick macht, um über den Damm zu führen, biegt lt. Karte der Weg ab, um neben dem Damm ins Tal zu führen. Am Abzweig ist ein Zaun mit Tor, den man allerdings ein paar Meter weiter leicht durch Überklettern der Leitplanke umgehen könnte. Als ich noch dabei war, eine günstige Stelle zu erkunden, kam ein Auto der Wasserwirtschaft und der Fahrer schloss das Tor auf. Ich habe ihn gefragt, ob ich den Weg nehmen darf und er hat mich passieren lassen. Unten angekommen stand ich an der Brücke über ein kleines, leeres Kanalbett wieder vor einem Zaun mit abgeschlossener Tür, der sich aber auch leicht umgehen ließ. Nun ging es halbwegs geradeaus nach Bigastro, dem einzigen Ort an der Strecke. Da es längst Nachmittag war und ich meine Frühstücksreste bei einer Rast vertilgt hatte, musste ich mir hier erstmal eine Kleinigkeit zu essen besorgen. Der erste Supermarkt am Weg war ein SPAR und da der im Eingangsbereich Tische und Stühle um eine Mikrowelle herum hatte, habe ich mir ein Fertiggericht (Paella mit Huhn) gekauft und gleich vor Ort verspeist. Genau geradezu hatte ich nun laufend einen riesig erscheinenden, aus der Ebene herausragenden Berg mit einer Stadt zu Füßen vor mir. Das ist Callosa de Segura und der Berg (Pico del Águila) misst immerhin 568 Meter. Der Ort war allerdings nicht mein Ziel, sondern die alte, ehrwürdige Bischofsstadt Orihuela. Um dort hinzukommen, musste ich beim Erreichen des Rio Segura links abbiegen und dem Fluss ein ganzes Stück folgen. Auch hinter Orihuela befindet sich ein großer, aus der Ebene ragender Berg (Cruz de la Muela), der allerdings mit 463 Metern nicht ganz so hoch, dafür aber breiter ist. Obendrauf ein Gipfelkreuz, dass man auch von unten gut sehen kann. Vor dem großen Berg ist noch ein kleiner, nur halb so hoher Berg mit einer Burgruine obendrauf und einem alten Seminargebäude auf halber Höhe. Es ist sicher reizvoll, da hoch zu steigen, aber inzwischen war es fast um sechs und außerdem wurden nach gut 25 km langsam die Füße lahm. Ich habe deshalb direkt das 2-Sterne-Hotel „Rey Teodomiro“ in der gleichnamigen Straße angesteuert, wo ich am Morgen für 35 € ein Zimmer mit Bad gebucht hatte. Das Hotel hatte ich bei meinen Recherchen bei einem anderen Anbieter entdeckt, der mich zwecks Verfügbarkeit an booking.com weitergeleitet hat. Zum Glück hatte ich mir den Namen notiert, denn bei booking.com wird das Hotel nicht gelistet, wenn man nach „Orihuela“ sucht, sondern nur, wenn man den Namen eingibt. Das Hotel liegt ganz zentral an einer schönen Parkanlage mit Springbrunnen. Ich habe nur meine Sachen abgestellt und bin dann zu einer Erkundung aufgebrochen. Dabei bin ich sogar noch in die Kathedrale und in die St. Justo-Kirche gekommen. Als ich an der Jakobuskirche (Santiago Apostol) angekommen bin, wurde diese leider gerade abgeschlossen. Da konnte ich nur noch den steinernen Jakobus am Hauptportal fotografieren. Zurück im Hotel habe ich Wäsche gewaschen und mich dann in die etwa 1 m lange Wanne mit Dusche gelegt. Die Knie haben da zwar nichts vom Wasser abbekommen, aber es war trotzdem herrlich, zumal hier richtig heißes Wasser aus dem Hahn kam. Auch im Zimmer war es Dank eines 4-Rippen-Heizkörpers, der gut zum Wäschetrocknen geeignet ist, angenehm warm. Perfekt zum Entspannen! |
![]() |
Camino del Sureste - Tag 2 | ![]() |