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Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda | ![]() |
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Tag 5 (Fr, 23.1.2026) Von Monforte del Cid nach Sax (27,9 km)
Der Tag fing heute mal mit einem richtigen Frühstück an, das ich in der zum Hotel gehörenden Gaststätte bekam. Die hatte ab sechs auf. Als ich um halb sieben runter kam, war da schon ordentlich Betrieb. Viele wollten auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen Kaffee trinken. Und das habe ich mit meiner Bitte um ein Tomatentoast statt der süßen Küchlein ziemlich durcheinander gebracht. Der Wirt ist auf meinen Wunsch eingegangen und für ein paar Minuten in der Küche verschwunden. Derweil wurde es an der Bar immer voller und ein paar Männer sind verärgert wieder abgerückt, weil sie offenbar nicht viel Zeit hatten. Das tat mir leid, aber der Wirt hat das ganz gelassen genommen.
Als ich aus dem Hotel raus bin, war es noch stockfinster und dabei blieb es auch, bis ich im Nachbarort Novelda angekommen bin. Die Orte gehen ineinander über, weshalb die Straße mit einem Fußweg versehen ist. Sonst wäre es im einsetzenden Berufsverkehr nicht möglich gewesen, dort im Dunkeln zu laufen. In Novelda landet man zunächst in einem Gewerbegebiet mit mehreren großen Firmen und einem Lager der Supermarktkette „Hiperber“, der ich hier erstmals begegnet bin und die mir recht preiswert erscheint. Vor dem Lagerhaus war um diese Zeit schon ordentlich Betrieb - viele LKW wurden ein- und ausgeladen. Im Ort bin ich dem Wegweiser zur Kirche und zum Rathaus gefolgt, in der Hoffnung, dort irgendwo einen Stempel abzufassen. Gestern hatte ich übrigens das seltene Glück, in Monforte bei der Polizei einen zu bekommen, denn im Hotel gab’s keinen und das Rathaus war schon zu. Hier in Novelda war zu meiner Überraschung kurz nach acht das Rathaus schon in Betrieb. Die Dame, die ich da angesprochen habe, hat mich in die gegenüber liegende Touristeninfo geschickt, mir aber durch geschickte Zeichensprache zu verstehen gegeben, dass ich zurückkommen soll, wenn ich dort keinen Erfolg habe. Da die Touristeninfo selbst noch nicht besetzt war, habe ich in einem angrenzenden Büro gefragt und drei Damen schwirrten aus, um den Stempel zu suchen, der aber vermutlich im Schreibtisch eingeschlossen war. Ich bin also wieder ins Rathaus, wo mir die nette Dame einen Kollegen ran geholt hat, der über den erbeteten Stempel verfügte. Wenn man kurz nach acht schon auf fünf nette, hilfsbereite Leute getroffen ist, kann es eigentlich nur ein guter Tag werden. Der Herr im Rathaus hat mich da noch die Deko fotografieren lassen und mir sogar angeboten, die Toilette zu benutzen. Die Kirche war übrigens auch schon auf. Da gab innen viel goldene Bemalung. Alle Säulen und Gewölberippen waren vergoldet, aber irgendwie sah das nicht aufdringlich aus. An Altären mangelte es auch nicht. Gleich am ersten bin ich auf den von mir verehrten St. Rochus gestoßen - jenen, der immer einen Hund bei sich hat und auf einen vermeintlichen Hundebiss im Oberschenkel zeigt, was aber eine Pestnarbe sein soll. Gleich um die Ecke hat der Ort ein „Museum der Moderne“ zu bieten, das sich offenbar mit dem Jugendstil befasst, denn überall am Haus fanden sich entsprechende Verzierungen. Hinter dem Ort führte der Weg zum Riu Vinalopó, der momentan nur ein kleines Bächlein in einem breiten, ausgetrockneten Flussbett ist. Der Camino verläuft einige Kilometer in diesem Flussbett, ist aber in der Karte gestrichelt eingezeichnet, was heißt, dass der nicht immer benutzbar ist. Bald hinter Novelda kam links auf einer Bergkuppe eine Kirche ins Blickfeld, die in Kleckerburg-Architektur ausgeführt ist und nicht zufällig Ähnlichkeit mit Gaudis „Sagrada Familia“ in Barcelona hat. Diese hier, die der Hl. Maria Magdalena gewidmet ist, hat ein Schüler Gaudis geschaffen. Da ich vor ein paar Wochen die Sagrada zu sehen bekommen habe, ist mein Bedarf an Gaudi-Bauwerken für den Rest meines Lebens gedeckt. Deshalb habe ich die Zeit und Kraft gespart, zur Kirche hochzusteigen. Im Rathaus hatte ich bereits ein großes Modell gefunden und fotografiert, so dass ich trotzdem mit Bildern aufwarten kann. Beim Modell ist allerdings nicht wie beim Original ein Turm bandagiert. Die ausgefallene Architektur ist offenbar nicht sonderlich langlebig. Abgesehen von wenigen Joggern und Radfahrern ist mir auf dem Weg entlang des Baches niemand begegnet. Noch vor der Kirche auf dem Berg war mal eine Furt zu passieren, was aber Dank der großen Steinquader im Wasser kein Problem war. Kurz vor Elda, nachdem eine Schnellzugtrasse und die Regionalbahn unterquert waren, führte der Weg aber zu einer Furt, die mal großzügig betoniert, aber dann zur Hälfte vom Wasser weggerissen wurde. Da war ein Passieren nicht so leicht möglich. Bei der Suche nach Stöckern, mit denen man sich abstützen kann, bin ich dann auf Pfeile gestoßen, die anzeigen, dass man hier nicht den Bach queren, sondern weiterlaufen soll. Diesem Hinweis bin ich gern gefolgt, obwohl der mit einem großen Umweg verbunden war. Beim Durchqueren von Elda habe ich nichts Bemerkenswertes entdeckt, aber eine Bar gefunden, in der es leckere Tortillas (spanische Omelett) gab. In Elda trifft der Weg wieder auf dem Riu Vinalopó, der als winziges Rinnsal in einem breiten, betonierten Flussbett fließt. Diesem Flussbett folgt der Weg auf der linken Seite in Richtung Norden, wobei es durch ausgedehnte Parkanlagen und vorbei an einem noch in Betrieb befindlichen Taubenturm geht. Info-Tafeln klären auf, dass hier schon zur Römerzeit eine Straße (Via Augusta) verlief. Hinter der Stadt bleibt der Weg weiter dem Fluss treu und windet sich mit ihm durch die Berge. Er ist allerdings an vielen Stellen gestrichelt eingezeichnet, also nicht immer benutzbar. Es geht vorbei an der Ruine eines Elektrizitätswerkes, unter der Straße hindurch und in einem engen Abschnitt des Tals vorbei an einer 300 Jahre alten Staumauer. Solche Sehenswürdigkeiten sind mit Infotafeln versehen, die aber leider nur auf Spanisch sind. Der Weg durch die Berge ist wirklich schön und Dank des Flusses ziemlich eben. Momentan ist die Vegetation nur leider recht grau, im Frühjahr wird es da durch Ginster und Co. sicher etwas farbenfreudiger aussehen. Hinter dem theoretischen Stausee kreuzt die Regionalbahnlinie den Weg im Tal, der sich nun ihr anschließt. Bahn und Weg verlaufen ab hier schnurgerade auf Sax zu. Im ersten Abschnitt hat man dafür einen halben Berg abgetragen, wie man an der hell leuchtenden Felswand erkennen kann. Der Weg führt teils durch das Grün zwischen der Bahn und dem jetzt parallel dazu laufenden Fluss, teilweise auch direkt neben oder im Schotterbett der Bahn. Die Burg über der Stadt, auf die man zuläuft, wird immer imposanter. Sie thront auf dem Kamm eines Felsens, der sich „aus dem Nichts“ erhebt und zu dessen Füßen die Stadt Sax liegt. Besonders eindrucksvoll sieht das auf Luftbildern aus. In Sax angekommen, ging es wieder über ein betoniertes Flussbett mit einem Rinnsal darin und dann ins Zentrum, wo recht viel Betrieb ist. Da ist auch alles mit Fahnen und abends herrlich leuchtenden Lichtinstallation über der Straße geschmückt. Vom 1. bis 5. Februar wird hier nämlich das Fest „Mauren und Christen“ gefeiert, bei dem die Kämpfe während der Reconquista nachgestellt werden, wobei vorgegeben ist, dass die Christen gewinnen. In einem Reiseführer hatte ich schon mal davon gelesen. Im Zentrum der Stadt biegt der Weg ab und folgt der Calle Mayor in die Altstadt, wo es einige schöne Häuser gibt und wo an einem Hang mein „Hotel Fuente el Cura“ steht, das immerhin drei Sterne zu bieten hat und auch entsprechend ausgestattet ist. Bei booking.com verlangt man da 90 € für ein Einzelzimmer, aber Pilger bezahlen nur 50 € inklusive Frühstück. Das ist immer noch viel und deutlich über dem selbst gesetzten Limit, aber es ist das einzige Hotel, das hier zu finden ist. Ich habe da nur schnell eingecheckt und bin dann die Stufen in den steilen Gassen und eine eindrucksvolle Eisentreppe hoch zur Burg, denn ich hatte gelesen, dass die nur bis 17.30 Uhr geöffnet ist. Schnaufend oben angekommen habe ich dann erfahren, dass sie nur Sa/So am Vormittag und nur am Samstag nachmittags offen ist - heute ist Freitag. Das macht nichts, denn so sehr viel wird es in der Burg nicht zu sehen geben und der Blick über die Stadt und das Umland ist von ihrem Fuße genauso beeindruckend wie von ihrem Turm. Ich habe mich unter den letzten Sonnenstrahlen eine ganze Weile da oben rumgetrieben und den Ausblick genossen. Sonnenuntergang ist hier derzeit gegen 18.15 Uhr, die Tagestemperaturen liegen bei 13…14 Grad, wobei es einem in windigen Ecken kühler, aber in der Sonne deutlich wärmer vorkommt. Nach einem kurzen Stopp im Hotel um dem Akku zu laden, bin ich noch zu einem abendlichen Einkaufsbummel durch die hell beleuchtete Stadt unter der rot angeleuchteten Burg aufgebrochen, denn morgen gibt es an der Strecke nicht viele Einkaufsmöglichkeiten. Da es im Hotel in einer Ecke eine kleine „Cafeteria“ mit Mikrowelle gibt, habe ich mir im Supermarkt Fidea (Nudeln) mit Meeresfrüchten geholt und ein festliches Mahl gehalten. |
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Camino del Sureste - Tag 5 | ![]() |