Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda
Tag 6 (Sa, 24.1.2026) Von Sax nach Caudete (31,4 km)
Ich habe heute früh in meinem Hotel in Sax noch ein richtig gutes Frühstück bekommen, sogar Toast mit Olivenöl und Tomate war dabei. Leider gibt es in diesem Hotel am Wochen­ende erst ab acht Frühstück. Da wollte ich eigentlich schon längst unterwegs sein. Aber heute lag keine besonders lange Strecke an, da konnte ich auch etwas später loslaufen. Da sich mein Quartier am nordöstlichen Stadtrand direkt am Camino befand, war ich mit wenigen Schritten raus aus der Stadt und schon auf dem richtigen Weg. Der Blick zurück fiel auf die Rückseite der hoch auf dem Felsen stehenden Burg. Mit der aufgehenden Sonne im Hintergrund bot sie auch von diesem Standort aus ein gutes Motiv.

Der Weg führte den ganzen Tag über die Ebene und ringsum standen Felsen und Berge wie eine Kulisse. Da hat es dauerhaft Spaß gemacht, mal stehen zu bleiben und in die Runde zu schauen. Der Himmel war weitestgehend blau und nur ein paar Deko-Wolken zogen über die Landschaft. Wenn nur der Wind nicht gewesen wäre. Der blies so heftig von vorn, dass ich kaum vorwärts kam und zudem bald ziemlich durchgefroren war. Die Wetter-App hat „9 Grad / gefühlt 1 Grad“ angezeigt. Ich glaube, das kommt hin. Morgen werde ich mir gleich warme Unterwäsche anziehen, denn unterwegs lässt sich das schlecht nachholen.

Auf halber Strecke zwischen Sax und Villena führt der Camino durch das winzige Dorf „Santa Eulalia“, das schon durch seinen Namen einen gewissen Reiz hat. Wer seine Tochter „Eulalia“ nennt, muss damit rechnen, dass sie immer „Eule“ genannt wird, was lebenslange Dankbarkeit den Eltern gegenüber provoziert. Das Dorf besteht nur aus einem kleinen quadratischen Platz mit Häusern auf drei Seiten und einer kleinen Kirche auf der vierten Seite. Das zur Hälfte eingefallene Haus gegenüber der Kirche war vermutlich mal sowas wie ein Gutshaus. Ob die anderen Häuser noch bewohnt sind, war nicht richtig zu erkennen.

Nach etwa 12 km war Villena erreicht, eine ziemlich große Stadt mit einer Burg im Stadt­gebiet, die mir schon von weitem aufgefallen ist. Nur in der Stadt habe ich sie kaum sehen können. Darum bin ich die endlos lange Treppe in einer engen Gasse namens „Barbara“ hochgestiegen. Vom Plateau am Ende dieser Treppe hatte man einen tollen Blick geradeaus auf die Burg und rückwärts auf die Stadt. Da ich nun schon mal so weit war, bin ich auch noch das letzte Stück bis zur Burg hochgestiegen, die gerade herrlich in der Sonne lag.

Mein erster Eindruck war, dass die Burg noch immer uneinnehmbar ist, denn ich habe keinen Eingang gefunden. Der war genau auf der Rückseite und dort an einer Stelle, wo es schon wieder runtergeht. Da die Tür offen stand, habe ich mich ganz spontan zu einer Burg­besichtigung entschlossen. Aber die junge Dame in der Tür, die schon eine Besuchergruppe um sich geschart hatte, hat mich mit der Auskunft verjagt, dass ich unten in der Stadt in der Touristeninfo eine Eintrittskarte hätte kaufen müssen. Damit war das Thema Burgbe­sichtigung auch heute ganz schnell erledigt.

Ich bin aber trotzdem nach dem Abstieg in die Touristeninfo und habe mir dort einen Stempel geholt. Nach einer kleinen Stärkung (Tortilla!) in einer Sportbar ging es weiter.

Von Villena bis zu meinem Ziel, Caudete, verlief der Weg überwiegend entlang einer Eisenbahnlinie, mal ein Stück entfernt, dann wieder direkt am Gleis. Das war an sich kein Problem, denn die eingleisige Strecke wird nur mit Personenzügen befahren, die nicht so oft unterwegs sind. Von den Nachmittagszügen hatte ich sogar die Fahrzeiten ganz grob im Kopf, denn ich hatte mir Züge von Sax nach Villena bzw. zurück nach Elda rausgesucht, für den Fall, dass in Sax das Hotel belegt ist und ich andernorts übernachten muss. Den entgegenkommenden Zug gegen viertel vier habe ich mit der Kamera erwischt, der eine halbe Stunde später von hinten kommende, ist mir entwicht. Genauso zwei Schnellzüge, die unerwartet vorbeigeschossen kamen.

Wenn hier mal ein Zug entgleist, dann waren die Kaninchen daran schuld. Der Bahndamm, der allerdings sehr breit ausgeführt wurde, ist übersät mit großen, tief hinein reichenden Kaninchenbauen. Leider liegt und fliegt am Bahndamm auch viel schwarze Folie rum, die irgendwann mal von den Feldern geweht und inzwischen in so kleine Fetzen zerrissen wurde, dass die niemand mehr einsammeln kann. Aber ich glaube, es hat auch niemand das Verlangen, dies zu tun.

Der Blick ins unmittelbare Umfeld war auf diesem Stück nicht so erheiternd, aber wie schon an den Tagen zuvor die Fernsicht auf die Berge, die unvermittelt in der Gegend stehen und teilweise Felswände mit interessanten Gesteinsschichten zeigen. An machen Bergen baut man auch Marmor ab, was weithin leuchtende, weiße Flächen ergibt.

Schlimm war heute der eklige, eisige Wind, der lt. WetterApp eine gefühlte Temperatur von 1 Grad ergab. Zum Glück war kein Regen dabei, sonst wäre es ganz übel geworden. Ich musste mich auf dem stets freien, baumlosen Feld mitunter regelrecht vorwärts kämpfen. Um mich mal zu einer Pause hinsetzten zu können, habe ich mir einen breiten Wasserdurchlass unter der Bahn gesucht, in dem Windschatten war und wo ein paar große Steine zum Hinsetzen einluden.

Vor Caudete führte der Weg dann weg von der Bahn und über die Felder direkt auf den Ort zu. Da wurde ich gleich von einer großen und der guten Pflege nach zu urteilen, auch häufig benutzten Stierkampfarena begrüßt. Ein Stück weiter stand die Franziskus-Kirche offen, in der ich mich mal ein paar Minuten aufwärmen konnte. Üblicherweise setzt man sich bei Spanientouren zum Abkühlen in die Kirchen ...

Auf der Hauptstraße, die sich von Ost nach West durch den Ort zieht und auf der während der Siesta nicht viel los war, ging es zum Platz „Santa Ana“ mit der Herberge. Die letzten Meter führten von der Hauptstraße weg steil nach oben zu besagtem Platz, welcher vermutlich den höchsten Punkt der Stadt darstellt und von dem man eine gute Aussicht hat. Dort steht die kleine, leider verschlossene St. Anna-Kirche mit der gleich­namigen Herberge nebenan. Die ist mit Camino-Schildern übersät, da hier mehrere Jakobs­wege zusammen­laufen: Camino del Sureste, Camino de Anibal und Camino de la Lana.

Wie verabredet habe ich mich bei der Nummer gemeldet, unter der ich beim Hospitalero bzw. seiner englisch sprechenden Frau am Tag zuvor wegen einer Unterkunft angefragt hatte. Zehn Minuten später kam Joaquín, einer der hiesigen „Freunde des Jakobsweges“ und hat mir aufgeschlossen.

Die Herberge ist richtig urig, was als Kompliment zu verstehen ist: krumme Wände, Holzbalken, Steinfußboden, enger Gang mit Küche, Klo mit einfacher Dusche, steile Treppe hoch zu den zwei Schlafräumen. Joaquín hat mir alles erklärt, auch dass Herd und Boiler nicht gleichzeitig betrieben werden dürfen, weshalb beide mit Steckern versehen, die neben der gleichen Steckdose baumeln. Wenn man im Zimmer die Heizung anmacht, sollte unten beides aus sein. Na, so wie das halt bei alten Häusern ist. Aber alles ist sauber und pilger­gerecht eingerichtet, d.h. zum Beispiel mit einem Wäschetrockner neben dem Heizer, was einem mehr nutzt, als ein Gummibaum zur Deko.

Dekoriert ist alles recht üppig mit Plakaten des offenbar sehr eifrigen, seit 2010 bestehenden Pilgervereins. Auf einer großen Wandtafel sind alle Informationen zu den hiesigen Caminos zusammengefasst, u.a. die Telefonnummern der nächsten Herbergen. Ich habe Joaquín, mit dem ich mich per Übersetzungsprogramm verständigt habe, mein Leid bezüglich der Unter­kunft in Montealegre, meinem nächsten Ziel, geklagt. Der dort von mir angeschriebene Hospitalero, dessen Telefonnummer ich über das Rathaus rausbekommen habe, hat mir nur kommentarlos geschrieben, dass die Herberge am Sonntag, den 25. geschlossen ist und auf zwei Betteleien meinerseits nicht mehr reagiert. Joaquín hat mir nun an der Tafel gezeigt, dass es da noch eine Hospitalera gibt und ich habe ihn gleich gebeten, für mich da mal anzurufen. Und siehe da, ich kann in der Herberge übernachten, muss allerdings vor 15.30 Uhr da sein, oder bis 20.00 warten. Ersteres ist bei 35 km nicht zu schaffen, aber ich warte gern bis um acht, wenn ich mich dann in die Koje legen kann. Bin ich froh, dass sich doch noch eine Unterkunft gefunden hat, sonst wäre nur ein wenig gelobtes teures Hotel in einem Gewerbegebiet hinter Montealegre als Alternative geblieben.

Man sollte einfach mehr Gottvertrauen haben - das hat schon der linke thüringische Minister­präsident Rammelow auf dem Katholikentag in Erfurt gesagt.

Der Kühlschrank hier im Haus ist übrigens randvoll mit Getränken bestückt, darunter auch etwas, was ich trinke. Da ich reichlich Essen dabei habe, brauchte ich also nicht nochmal raus in die Kälte, um zum Supermarkt hinab und dann wieder zur Herberge hochzusteigen. Welch glücklicher Tag!

Camino del Sureste - Tag 6

Sax, Castillo
Westlich von Sax der Berg „Cabrera“ (873 m)
Santa Eulalia, Iglesia de Santa Eulalia
Santa Eulalia, Palacio Condes del Prado
Ruine rechts vom Weg auf der Höhe des links vom Weg liegenden Bahnhofs „Villena AVE“
Jakobswegmarkierung kurz vor Villena (991 km bis Santiago)
Villena, Iglesia de Santa María
Villena, Blick von der zum Castillo führenden Carrer Santa Bàrbara auf die Stadt
Villena, Castillo de la Atalaya
Villena, Castillo de la Atalaya
Villena, Blick vom Castillo de la Atalaya auf die Stadt
Villena, Castillo de la Atalaya
Villena, Plaza Santiago mit der Iglesia Arciprestal de Santiago und dem Kulturhaus (Casa de la Cultura)
Villena, Colegio María Auxiliadora an der Avenida de la Constitución
Villena, Stierkampfarena (Plaza Multifuncional) an der Avenida de la Constitución
Hinter Villena, Bahnübergang der Straße „Vereda de Levante“
Hinter Villena, Weg entlang der Bahnlinie
Hinter Villena, Kaninchenbaue im Bahndamm
Hinter Villena, Regionalbahn in Richtung Villena
Hinter Villena, AVE in Richtung Caudete
Caudete, Iglesia de San Francisco de Asís
Caudete, Calle San Eduardo. Ermita de Santa Ana und rechts daneben die Pilgerherberge
Caudete, Pilgerherberge Santa Ana
Caudete. Joaquín, der freundliche Hospitalero
Caudete, Pilgerherberge Santa Ana
Caudete, Pilgerherberge Santa Ana
Caudete, Pilgerherberge Santa Ana