
![]() |
Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda | ![]() |
|
Tag 7 (So, 25.1.2026) Von Caudete nach Montealegre del Castillo (34,4 km)
Das war heute ein anstrengender Tag. Ich bin nach reichlich dreißig Kilometern kurz vor sechs in Montealegre angekommen und sitze in der Bar „El Rincón de Joaquín“, wo ich mir zwei Stunden die Zeit vertreiben muss, da ich erst um acht in die Herberge komme. Ich hoffe, ich schlafe bis dahin nicht ein. Aber der Reihe nach:
Ich habe in Caudete in der Herberge hervorragend geschlafen. Der Elektroheizer an der Wand hat es geschafft, eine annehmbare Temperatur im Schlafraum zu schaffen. Wenn man aber in den Flur getreten ist, war es dort lausig kalt. Also war es angebracht, bei geschlossener Tür alles einzupacken, sich komplett anzuziehen und dann unten im Aufenthaltsraum die Frühstücksprozedur so kurz wie möglich zu halten. Obwohl ich abends den Stecker des Boilers gezogen hatte, um oben die Heizung einschalten zu können, kam das Wasser noch so heiß aus dem Hahn, dass es für den löslichen Kaffee gereicht hat. Die bereits in Sax gekauften Baguettes waren noch gut brauchbar, die Lätta-Nachahmung, Käsecreme und Kochschinken aus meinem Rucksack sowieso. Ich hab‘ noch schnell ein paar dankende Worte ins Gästebuch geschrieben und dabei gesehen, dass eine Nacht vor mir ein Pilger hier war. Da die Etappen hier praktisch vorgeschrieben sind, wird der wohl bis zum Schluss einen Tag vor mir sein. Anfang Januar war sogar ein Deutscher in der Herberge, überhaupt scheint die ganz gut besucht zu sein. Kurz vor acht bin ich losgezogen und nach wenigen Schritten den Berg runter war ich in der Landschaft, die mich den ganzen Tag begleiten sollte: im Nichts. Aber das klingt so negativ. Im Western sieht man solche Landschaften gern: flaches Land mit spärlichem Bewuchs, eingerahmt von Bergen. Drei Viertel des Weges führten auf einem gewalzten, gut begehbaren Weg vorbei an Olivenhainen, Obstplantagen und später auch an Wein„bergen“. Dazwischen immer wieder Ödland, wo zwischen den allgegenwärtigen Steinen nichts oder nur wildes Gras wuchs. Die meist faustgroßen Steine, die hier auf allen brachen und bewirtschafteten Flächen liegen, legen den Verdacht nahe, dass hier Steine angebaut werden. Wenn sie mal nicht in einer lückenlosen Schicht unter den Oliven- oder Obstbäumen liegen, dann nur, weil sie gerade untergepflügt wurden. Im Herbst sind sie wieder da. Obwohl es nichts Spektakuläres zu sehen gab, hätte das Laufen durch diese karge Landschaft Spaß machen können. Wenn nicht der penetrante Wind gewesen wäre. Der blies vom Morgen bis zum Abend und ist dabei noch stärker geworden. In der Wetter-App gab es eine „mittlere Windwarnung“ wegen Windgeschwindigkeiten von 45 km/h mit Böen bis 80 km/h. Nach meiner Wahrnehmung bin ich von Böe zu Böe geeilt. Es war wirklich schlimm, weil man kaum vorwärts kam. Wo sonst ein Schritt erforderlich gewesen wäre, musste man heute manchmal zwei machen und sich dabei nach vorn stemmen, um nicht umgeschmissen zu werden. Natürlich kam der Wind genau von vorn, aus dem Westen. Gleich nach dem Losgehen kamen ein paar Tropfen runter. Da wäre ich normalerweise ohne Zucken weitergelaufen. Aber da ich der Kälte wegen „lange Männer“ untergezogen hatte, habe ich befürchtet, dass die durch die dünne Wanderhose schnell nass werden und ich dann den ganzen Tag Freude daran habe. Ich habe deshalb schnell den Regenponcho rausgeholt, was wie erwartet dazu geführt hat, dass der Regen sofort aufhörte. Anders als sonst habe ich den Poncho aber nicht wutschnaubend wieder ausgezogen und verstaut, sondern angelassen, weil er einen guten Schutz gegen den Wind und einen zusätzlichen Puffer gegen die mit dem Wind einhergehende Kälte bot. Nach etwa der Hälfte des Weges gab es erstmals eine Abwechslung: eine Straßenkreuzung! Der Weg passiert hier die Straße von Yecla nach Almansa, was mir die erste Rast ermöglicht hat. Die Kreuzung liegt etwas über dem umgebenden Terrain, so dass sich hier eine Böschung fand, an der man sich mal hinsetzen oder besser hinlegen konnte, ohne weggeblasen zu werden. Kaum lag ich da, hielt ein Radfahrer und fragte, ob alles ok sei. Da mir das vermutlich bei jedem Vorbeikommenden passiert wäre, bin ich bald wieder aufgestanden und weitergelaufen. Der Weg war übrigens im ersten Teil sowohl mit der Muschel als Jakobsweg als auch mit einem berittenen roten Elefanten als Camino Anibal (Hannibal-Weg) gekennzeichnet. Hier ist wohl einst Hannibal mit seinen Elefanten langgezogen, um Europa zu erobern. In der zweiten Hälfte gab es nur noch gelbe Pfeile als Wegweiser. Ich bin gespannt, ob ich nochmal dem roten Elefanten begegne. Gegen Mittag nahm der scharfe, kalte Wind nochmal zu. Nun rollten Büsche, die irgendwo ausgerissen wurden, wie Bälle über die Felder und über den Weg. Wäre nicht die Mehrzahl an den Weinstöcken oder den Plantagenbäumen hängen geblieben, wäre das eine regelrechte Invasion geworden. So waren die rollenden Büsche was fürs Foto. Obwohl mir schon längst Beine und Rücken wehtaten, musste ich nochmal alles aus mir herausholen, als es galt, meine Mütze zu retten, die mir der Wind trotz darüber gezogener Kapuze vom Kopf gerissen hat. Auf einem Feld ist die zum Glück an einer Scholle hängen geblieben. Ich werde mir mal beim SEK eine Gesichtsmaske besorgen. Die kann man ggf. auch bei einem Bankraub gut gebrauchen. So etwa 8 km vor dem Ziel stößt der Weg wieder auf eine Straße. Dieses Mal ist es die nach Montealgre, die man ein Stück laufen soll, um dann lt. Karte rechts bzw. ein Stück weiter lt. Ausschilderung links einen parallel verlaufenden Weg zu nehmen. Ich habe Karte und Ausschilderung ignoriert und bin auf der Straße geblieben, nicht nur, um etwas Wegstrecke zu sparen, sondern auch, um nicht allein in der Einöde zu sein, wenn ich nicht mehr weiter kann. Drei Kilometer vorm Ziel zogen dicke, dunkle Wolken auf und da ein etwas verfrühter Regenbogen zu sehen war, war klar, dass es gleich regnen wird. Und das Wetter hat sich an diese Regel gehalten … Den Poncho hatte er ich zwar noch an, aber der hing nur noch am meinem Hals und flatterte wie ein Schal, was wenigstens die Autofahrer veranlasst hat, etwas Abstand zu halten, um den Lack zu schonen. Ich habe also schnell alles wieder arrangieren müssen und konnte dann dem Regen recht gut trotzen. Ganz heroisch habe ich auch das Angebot eines Traktorfahrers abgelehnt, mich die letzten zwei Kilometer mitzunehmen. Vermutlich wäre ich auch gar nicht in seinen Traktor hochgekommen. |
![]() |
Camino del Sureste - Tag 7 | ![]() |