Unterwegs von Torre de la Horadada über Orihuela und Albacete nach La Roda
Tag 8 (Mo, 26.1.2026) Von Montealegre del Castillo nach Pétrola (26,3 km)
Gegen 18 Uhr war ich gestern in Montealegre del Castillo. Nun waren zwei Stunden Zeit, bis ich in die Herberge konnte. Wie ich später erfahren habe, kann Manuela, die kleine, alte Herbergsbetreuerin sonntags nicht früher, weil sie von vier bis acht Bingo spielt. Ich habe mir die Zeit gut in der Bar „El rincón de Joaquín“ vertrieben, wo es das Bier in gekühlten Gläsern gab. Die Küche war noch nicht besetzt, aber als kleinen Imbiss konnte man „Feischbrocken mit Tomate“ bekommen. Von der Menge war das mehr, als man bei uns als Gulasch bekommt. Dafür und für zwei große Bier vom Hahn wollte der Wirt acht Euro haben. Das kann man nicht als überteuert bezeichnen.

Kurz vor acht bin ich dann zur Herberge gelaufen und habe von dort Manuela angerufen. Mir war klar, dass sie mich nicht versteht, aber da ich angekündigt wurde, wird sie schon gewusst haben, worum es geht. Eine viertel Stunde später kam sie vorgefahren und ihrem kleinen Auto entstiegen drei junge Leute, drei Deutsche, denen sofort anzusehen war, dass sie auf der Walz sind, ein Zimmermann, eine Zimmerfrau und eine Gärtnerin bzw. Landschaftsgestalterin. Die beiden Zimmerer hatten die übliche Kluft an: schwarze Cordhose und schwarze Weste mit großen Knöpfen über weißem Hemd. Dazu ein breitkrempiger Hut und ein geschnitzter Stock. Die Gärtnerin war genauso gekleidet, nur in Grün.

Viel Zeit zum Beschnuppern war nicht, denn ich musste mich zu Manuela ins Auto setzen und sie ist mit mir zum Rathaus gefahren, hat dort aufgeschlossen, das Licht angeschaltet, den Kopierer warm laufen lassen, den Ausweis kopiert, mir den Stempel in den Pilgerpass gedrückt, den Schlüssel ausgehändigt und mich zurück zur Herberge gefahren. Die gleiche Prozedur hat sie zuvor mit den drei jungen Leuten gemacht. Das könnte man sicher vereinfachen, indem man wie anderswo die Ausweise abfotografiert. Aber Manuela scheint dieses Prozedere Spaß zu machen und so hat sie ihre Beschäftigung. Warum Pedro, der zweite Herbergsbetreuer mich nicht an sie weitergeleitet, sondern geschrieben hat, dass die Herberge geschlossen ist, weiß ich nicht. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass er städtischer Angestellter ist …

Als ich wieder in der Herberge war, sind die drei auf der Walz gerade zum Essen aufgebrochen. Ich habe mich da nicht angeschlossen, da ich des Sonntags wegen reichlich Ver­pflegung im Rucksack hatte, die man ja nicht ewig rumschleppen kann. Nur für die Nieren hatte ich nicht genug dabei, weshalb ich nach dem Abendbrot nochmal zur Bar gelaufen bin. Dort habe ich die drei wiedergetroffen. Weil das Restaurant geschlossen war, hat es sie hierher verschlagen. Die hatten gerade ein Kartenspiel rausgeholt und wollten zu spielen anfangen. Davon wollte ich sie nicht durch vieles Fragen und Erzählen abhalten. Aber ich habe erfahren, dass der Zimmermann und die Gärtnerin sich vor zwei Jahren getroffen haben und seitdem durch ganz Europa unterwegs sind. Die Zimmerfrau, die ganz gut Spanisch spricht, ist vor einem halben Jahr dazu gestoßen. Mindestens drei Jahre wollen sie auf der Walz sein. In Montealegre sind sie beim Trampen hängengeblieben. Drei neugierige Damen haben sie hier zum Kaffee eingeladen und die Unterbringung in der Herberge vermittelt.

In der Herberge war die Bettenaufteilung leicht. Es gab zwei Vierbettzimmer. Eins haben die drei genommen und ich hatte das andere für mich. Die Klimaanlage hat es sogar geschafft, die Temperatur erträglich zu machen. Aber da die drei ihre auch an hatten, ist irgendwann nachts die Sicherung rausgeflogen …

Der heutige Tag war ein kleines Bisschen angenehmer als der gestrige: der Weg war nur ca. 25 statt 35 km lang, der Wind war etwas schwächer und die Landschaft war ein wenig abwechslungsreicher. Es gab aber auch heute keine Ortschaft am Weg. Geregnet hat es wie gestern nur mal ein paar Tropfen.

Heute habe ich erstmals Felder gesehen, auf denen Getreide angebaut wird, wie an den zarten grünen Pflänzchen zu erkennen ist, die gerade aus dem Boden gekommen sind. Auf diesen Feldern hat man die Steine weitestgehend angesammelt und zu großen Haufen aufgeschüttet.

Da es heute hügeliger zuging und der Weg tendenziell bergauf führte, waren schöne Weit­sichten möglich und man konnte von oben die verschiedensten Färbungen des Bodens von hellgelb über braun bis hin zu dunklem Rot ausmachen. In den großen Weingärten waren einzelne Bauern dabei, die Weinstöcke zu beschneiden, was offenbar eine Kunst für sich ist.

Es ging heute wie gesagt ziemlich bergauf und bergab. Der höchste Punkt lag bei etwa 970 Metern auf dem Kamm einer Bergkette, der mit einer langen Reihe an Windrädern bestückt ist. Diese standen trotz des Windes alle still, vermutlich weil so viel Strom am Tage gar nicht benötigt wird. Da heute auch die Solaranlagen nicht viel gebracht haben können, sind die Spanier offenbar mit „bösem“ Strom aus dem Atomkraftwerk gut über die Runden gekommen.

Die letzten 8 km ging es heute auf einem Feldweg schnurgeradeaus. Da Start- und Endpunkt dieser Strecke auf Hügeln lagen, konnte man fast an jeder Stelle den Verlauf des Weges gut übersehen. Es ist schon etwas frustrierend zu wissen, dass man zwei Stunden brauchen wird, um da hinten anzukommen.

Es war dann doch schon fast um fünf, als ich in Pétrola ankam, wo ich mich vorgestern bei der Herbergsbetreuerin Enriqueta („Herrscherin des Vaterlandes“ oder schlicht „Hausherrin“) per WhatsApp angemeldet hatte. Da um diese Zeit alle vier Kneipen einschließlich der Bar „Jesús“ geschlossen hatten, bin ich gleich zu der lt. Karte direkt neben der Kirche befind­lichen Herberge und habe Enriqueta geschrieben, dass ich da bin. Ein paar Minuten später kam ein Mann in Arbeitskleidung vorgefahren und hat mich zwei Straßen weiter gelotst, wo sich seit 2024 die Herberge befindet. Es ist nur ein Raum mit einem angren­zenden Bad. Alles hell, ordentlich und sauber. Im Raum stehen zwei Doppelstockbetten, ein Tisch mit vier Stühlen, ein Regal und ein Sofa. An der Wand mit der Tür ist noch eine „Küchenzeile“ mit einem Abwaschbecken, einer Mikrowelle und einem Toaster. Töpfe erübrigen sich damit und als Geschirr gibt es ein paar Gläser und zwei Müslischalen. Das ist nicht üppig, aber ausreichend. In Montealegre gab es gar keine Kücheneinrichtung. Hier wie dort bezahlt man 10 € für die Nacht.

Wichtigstes Utensil ist derzeit eh die als Heizung laufende Klima­anlage. Die hier ist von Bosch und sieht recht leistungsstark aus. Ich habe deshalb nicht nur die angesammelte Dreckwäsche, sondern auch mal meine inzwischen ziemlich fleckige Hose gewaschen und in den Luftstrom der Klimaanlage gehängt. Die werde ich sicher die ganze Nacht laufen lassen. Vielleicht sind die Sachen morgen schon trocken.

Camino del Sureste - Tag 8

Montealegre del Castillo, Herberge in der Calle Fuente-Álamo
Montealegre del Castillo, Avenida del Alcalde Sinforiano Montes Sánchez
Hinter Montealegre del Castillo
Hinter Montealegre del Castillo
Hinter La Higuera, Camino de Bonete
Hinter La Higuera, verlassene Gehöfte am Camino de Casa Nueva al Olmillo
Auf den wenigen Getreidefeldern werden die Steine eingesammelt und am Feldrain abgelegt.
Windräder auf einem etwa 1000 m hohen Bergrücken
Vom Bergrücken mit den Windrädern geht es ca. 8 km immer geradeaus nach Pétrola.
Nur selten kann man da einen Baum oder Strauch fixieren ...
Pétrola, die geschlossene Amatore's Bar an der Avenida de la Constitución
Pétrola, Iglesia de San Barnabé mit der ehemaligen Herberge auf der linken Seite
Pétrola, Plaza Mayor
Pétrola, die neue Pilgerherberge in der Calle Olmo
Pétrola, Schild an der neuen Pilgerherberge
Pétrola. In der neuen, 2024 eingerichteten Pilgerherberge