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Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora | ![]() |
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Teil II, Tag 1 (Mo, 31.8.2026) Von La Roda nach San Clemente (36,6 km)
Ich habe diese Nacht nicht gut geschlafen, obwohl das Bett so hart war, wie ich es mag, und mein Bettnachbar keinen Ton von sich gegeben hat. Ich war stündlich wach, vermutlich weil es nachts im Haus nicht richtig kühl geworden ist. Vielleicht war auch ein bisschen Aufregung dabei, denn ich wollte endlich wieder „auf die Piste“, worauf ich mich schon lange gefreut habe. Ich hatte Augustin vorgewarnt, dass ich um fünf aufstehen und um sechs loslaufen will. Er meinte, dass ihn das nicht stört. Um halb fünf hatte ich mich dann zu der Meinung durchgerungen, dass es ihn auch nicht stören wird, wenn ich eine halbe Stunde früher aufstehe. Ich bin also um halb fünf raus und habe leise meine Sachen gepackt. Zum Glück kam hier das Wasser kochend heiß aus dem Hahn. So konnte ich mir mit dem zur Verfügung gestellten löslichen Kaffee eine Tasse ordentlichen Frühstückskaffee aufbrühen, ohne die Mikrowelle anwerfen zu müssen.
Um viertel sechs bin ich aufgebrochen und durch die Altstadt zum nördlichen Ortsausgang von La Roda gelaufen. Da zeigte sich, dass der Jakobsweg dunklen Belag hat und nur mit Lampe zu benutzen ist. Deshalb bin ich auf die parallel verlaufende N-301 ausgewichen, die durchgehend breite Randstreifen mit einer gut sichtbaren Begrenzungslinie hat und bis weit hinter der Stadt ausgeleuchtet ist. Dort konnte ich wunderbar laufen, zumal nur mäßiger Verkehr war, weil nicht weit entfernt eine Autobahn in die gleiche Richtung führt. Gegen sieben wurde es hell und um dreiviertel acht kam die Sonne in meinem Rücken über den Horizont. Da war es mit der morgendlichen Kühle (15 Grad) vorbei. Bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen stieg zu meiner Rechten überall Nebel auf, der eine gespenstige Atmosphäre schuf. Nach vier Stunden, um 9.15 Uhr, war ich in Minaya, was in meinem Pilgerführer aus La Roda kommend als Etappenziel ausgewiesen ist - etwas früh, um Feierabend zu machen. Am Ortseingang steht rechts eine mit Esel- und Ziegenattrappen dekorierte Windmühle, die mich daran erinnerte, dass ich in der La Mancha bin, wo Don Quijote sich mit diesen Ungetümen angelegt hat. An der Kirche von Minaya angekommen, hörte ich hinter mir ein „Hallo“, das von Augustin stammte, der gerade eingetroffen war. Er will ab hier den westlichen Zweig des Jakobsweges nehmen und in El Provencio übernachten, während ich mir den östlichen Zweig ausgesucht habe, weil dort in San Clemente eine vermutlich sichere Möglichkeit zum Unterkommen besteht und das nur 36 statt 44 km sind. In Minaya bin ich umsonst auf der Suche nach einem Supermarkt herumgeirrt, aber ich habe einen Bäcker gefunden, bei dem ich eine leckere Blätterteigtasche mit Käse und Schinken bekommen habe. Am Ortsausgang bin ich jedoch auf ein großes Geschäft mit regionalen Produkten und einer angeschlossen Cafeteria gestoßen. Ich bin zwar nicht so koffeinsüchtig wie Kommissar Dupin, aber ich habe mir gedacht, dass ein Café con leche am Morgen nicht schaden kann. Als ich mit diesem beschäftigt war, kam die Kellnerin mit einem Tomaten-Toast vorbei, das sie am Nachbartisch abgestellt hat. Da habe ich blitzschnell meine Bestellung aufgegeben und bin dann um zehn gesättigt und gut gelaunt weiter gezogen. Von Minaya nach Casas de los Pinos bin ich mal den „vorgeschriebenen“ Weg gelaufen. Der war zwar ordentlich planiert, aber es lagen viele faustgroße Steine auf dem Weg, auf denen man so wunderbar umknicken kann, wenn man rauf tritt. Ich musste deshalb die ganze Zeit auf den Weg achten, obwohl ich viel lieber die Heerscharen an Kaninchen beobachtet hätte, die hier über die Felder jagen und sich in ihren Erdlöchern oder den aufgetürmten Steinhaufen verkriechen. Da hier überwiegend graue und schwarze Steine von den Feldern gelesen und aufgehäuft wurden, fallen die Kaninchen gar nicht auf, wenn sie auf einem solchen Haufen sitzen. Aber statt ruhig sitzen zu bleiben, wenn jemand vorbei kommt, flitzen sie über die Felder und zeigen einem den weißen Po - für einen geübten Jäger die perfekte Zielscheibe. Mitunter haben auch die gelegentlich über den Feldern kreisenden Raubvögel Erfolg, wie man an den herumliegenden Kaninchenteilen sehen kann. Zwischendrin lag auch mal eine Fledermaus, die vermutlich bei der Hitze tot vom Himmel gefallen ist. In Casas de los Pinos gab es zwar wie selbst in kleinen Dörfern üblich, Kanaldeckel mit dem Ortsnamen, aber keine Kneipe und keinen Laden. Zumindest ist mir nichts dergleichen aufgefallen. Hinter dem Ort führte der Camino zunächst ein Stück entlang der Straße und bog dann ab in einen Pinienwald, um dort parallel zur Straße nach San Clemente zu führen. Da ich gesehen habe, dass da auch so viele Steine auf dem Weg liegen, bin ich lieber auf der kaum befahrenen Straße geblieben, zumal das etwas kürzer war, als der ausgeschilderte Weg. In San Clemente gibt es zwar mehrere Unterkünfte, aber da ich noch vor der Siesta mein Bett für die Nacht klar machen wollte, habe ich von unterwegs in der Touristen-Info angerufen und gefragt, ob ich in der kommunalen Herberge unterkommen kann. Ja, das geht, kam zur Antwort. Ich kann mir zwischen halb sechs und halb acht in der Touristen-Info den Schlüssel holen, oder gegenüber bei der Polizei, wenn ich früher da bin. Nun hatte ich keinen Grund zur Eile, zumal es beim Erreichen der Stadt kurz nach zwei war und eh fast alles zu hat. In einer Kneipe am Ortseingang bin ich zu einem „Mahou“ als Begrüßungs- und Belohnungstrunk für 36 km Fußmarsch eingekehrt. Und da das „Mahou“ so wunderbar erfrischend und mit einer leckeren Beigabe versehen war, habe ich mir noch ein zweites bestellt. Damit wurde es um drei und ich war der letzte in der Bar, die der Wirt vermutlich gleich hinter mir zwecks Mittagspause abgeschlossen hat. Ich bin dann direkt zum Polizeirevier, wo man mir zwar gleich die Tür geöffnet hat, mich aber zunächst mit dem Hinweis abwimmeln wollte, dass ich den Schlüssel nach fünf in der Touristen-Info abholen kann. Als ich den beiden Polizisten aber erzählte, dass die Dame dort gesagt hat, dass ich ihn vorher bei der Polizei bekomme, haben sie klein beigegeben, die Personalien erfasst, einen Stempel in den Pilgerpass gedrückt und mir den Schlüssel gegeben. Diesen „Aufwand“ wollten sie sich wohl sparen. Es ist aber auch tatsächlich schwer, in zwei Schritten einen Ausweis so zu kopieren, dass Vorder- und Rückseite auf einem Blatt Papier erscheinen. Der junge Polizist, der sich daran versucht hat, hatte stets entweder die Vorderseite doppelt, oder die Rückseite … Aber dafür konnte er ein paar Brocken Englisch. Mit dem Schlüssel in der Hand habe ich mich zur nicht weit entfernten Calle Carmen Martínez aufgemacht, wo sich seit 2022 die kommunale Herberge in einem alten Reihenhaus befindet, das „Hospital“ genannt wird, weil da vermutlich mal alte, sieche Leute untergebracht waren. Am Eingang 6 (nicht 1, wie es in der Buen-Camino-App steht) hängt neben der Tür ein Schild, auf dem verewigt ist, wer seitens Stadt und Provinz im Jahre 2022 die Einweihung vollzogen hat. Diese honorigen Herren haben hier wirklich mal was Gutes zu sehen bekommen, denn die Herberge ist prima renoviert und modern eingerichtet. In einem Raum stehen drei Doppelstockbetten und im anderen sind ein Doppelstockbett und ein Einzelbett. Letzteres habe ich erwählt und da ich der einzige Pilger bin, hat niemand Einspruch erhoben. Die Betten sind ordentlich bezogen und alle Zimmer haben eine Klimaanlage, auch die recht gut ausgestattete Küche (Kühlschrank, Mikrowelle, Geschirr und Besteck). Dort stehen sogar Waschmaschine und Trockner zur freien Verfügung. Und das Beste ist, dass man nichts für die Übernachtung haben will. Hier hängt nicht mal wie anderswo selbstredend eine Spendenbox an der Wand. Um zu prüfen, ob ich mit dem Einzelbett die richtige Wahl getroffen habe, habe ich mich mal einen ganz kleinen Moment darauf ausgestreckt. Nach einer guten Stunde war ich davon überzeugt, dass das Bett gut ist. Auch die Klimaanlage ist gut, denn die hat den Raum derweil von 27 auf 18 Grad abgekühlt. Nun wurde es Zeit, fürs Abendbrot und für den nächsten Tag einzukaufen. Vorbei an der Rochuskirche und durch eine gleichnamige Gasse bin ich zum nächstgelegenen Supermarkt gelaufen. Der war zwar teurer als die bekannten Ketten, aber ich habe gefunden, was ich wollte: neben reichlich Getränken eine „Fideuà“, das heißt Nudeln mit Muscheln für die Mikrowelle. Beim Frühstück war Improvisieren gefragt, denn bei diesem Wetter wollte ich nicht mit Brot und Belag anfangen, wovon man dann die Hälfte in der Wärme durch die Gegend schleppt. Ich habe mir deshalb von der gleichen Firma eine Assiette „Reis mit drei Köstlichkeiten“ (Schinken, Erbsen und Karotten) genommen. Sowas wird der Magen ja hoffentlich am Morgen vertragen. Wenn nicht, dann halt nicht. Zurück in der Herberge habe ich erstmal die 2-Liter-Fanta-Zero-Flasche zur Hälfte geleert und mir dann die Fideuà eingeholfen, wozu es einen Schluck aus der inzwischen herunter gekühlten Mahou-Flasche gab. Da ich gelesen hatte, dass jeden Abend um acht in der Santiago-Kirche an der Plaza Mayor Gottesdienst ist, bin ich kurz vor acht nochmal in die Innenstadt gelaufen. Da stand ich leider vor einer verschlossenen Kirchentür. Grund dafür war, dass im Juli und August die Abendmesse ausfällt und der Kalender sagte, dass wir den letzten August-Tag haben. Da ich nun schon mal im Stadtzentrum war, habe ich mich dort etwas genauer umgeschaut, als bei meiner Ankunft um drei. Die Plaza Mayor, die abends eine große Freiluftkneipe ist, wird auf der einen Schmalseite von einem imposanten Rathaus mit Turm und Säulengalerie flankiert und aus der gegenüber liegenden Seite von einem nicht weniger eindrucksvollen Gebäude, in dem sich unter anderem das Polizeirevier befindet. Auf der westlichen Längsseite steht die mächtige Iglesia de Santiago Apóstol, also die Jakobuskirche, die ich mir zum Glück bei meiner Ankunft innen angeschaut habe. Da gibt es ein großes Altarretabel mit figürlichen Darstellungen aus der Heiligen Schrift und mittendrin Santiago Matamoros, also Jakobus der Maurentöter, der auf einem weißen Pferd sitzend und mit dem Schwert in der Hand meuchelnd über am Boden liegende Araber hinweg reitet. Das ist eigentlich nicht so ganz passend für ein Altarbild, aber dem Verständnis der Spanier zufolge ist es seinem Einschreiten bei der Reconquista (Rückeroberung) zu verdanken, dass die Araber zurückgedrängt und später vertrieben werden konnten. Da kann man ja schlecht das Bild zuhängen. Auf der vierten Seite des Platzes führt die Straße vorbei, die durch zwei schöne Torbögen auf den Platz und wieder runter führt. Ein dritter Bogen überspannt die Durchfahrt zu einem angrenzenden Platz, auf dem es wie überall in der Innenstadt schöne alte Fassaden zu bestaunen gibt. Viele davon gehören zu Klöstern, von denen es in der Stadt wimmelt. Ich bin dann noch ein Stück durch die Fußgängerzone gelaufen, die zum Schutz vor der Sonne von großen bunten Segeltüchern und zu Teppichen verketteten, gehäkelten Topflappen überspannt ist. Aus Angst, dass mein aus 250 Gramm Nudeln und Muscheln bestehendes Abendbrot nicht ausreichend war, habe ich mir in einem Supermarkt noch eine Büchse mikrowellentauglicher Linsen gekauft, die ich so gern mag. Beim Befüllen des Tellers zeigte sich, dass ich Kichererbsen gegriffen habe. Das war mir aber egal, denn die mag ich genauso. Aber ich habe törichterweise die Mikrowelle auf zwei Minuten, statt wie angegeben auf eine Minute gestellt. Das Ergebnis waren explodierende Kichererbsen und das Erfordernis einer Innenreinigung der Mikrowelle. |
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Camino del Sureste (Teil II) - Tag 1 | ![]() |
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