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Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora | ![]() |
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Teil II, Tag 2 (Di, 1.9.2026) Von San Clemente nach Mota del Cuervo (43,2 km)
Für heute waren zumindest vormittags Wolken angesagt und tatsächlich versteckte sich um halb sechs, als ich aufgebrochen bin, der Mond hinter dicken Wolken. Das machte die Nacht noch dunkler und den Weg noch gruseliger. Ein paar Ruinen am Weg komplettieren die Gruselstimmung. Irgendwo hinter San Clemente kam mir gegen sechs auf dem Feldweg ein klappriges Auto entgegen, fuhr rechts ran, schaltete das Standlicht an und … Bei der Aktion hat der Fahrer seinen Motor abgewürgt und hatte mit dem Neustart so viel zu tun, dass er sich nicht um mich kümmern konnte.
Sowas verleitet einen dazu, zügig zu laufen und nicht unnötig zu bummeln. Irgendwann ergab meine Hochrechnung, dass ich schon gegen elf an meinem 24 km entfernten Tagesziel Las Pedroñeras sein werde. Das erschien mir nun doch etwas zu früh, um Feierabend zu machen. Da könnte man doch gut noch 10 km (2,5 Std.) ran hängen. Die in Frage kommenden Orte hatten aber keine Unterkunft zu bieten. Der nächste Ort mit Herberge ist Mota del Cuervo, 20 km hinter Las Pedroñeras. Spaßeshalber habe ich dort mal per WhatsApp angefragt, ob ich in der Herberge unterkommen könnte. Die Antwort war „Ja“. Also, was jetzt machen? In Las Pedroñeras bleiben, wo ich einen Platz in der Herberge reserviert hatte? Das hieße, bis um zwei warten, um den Herbergsschlüssel in Empfang zu nehmen und dann den Rest des Tages vertrödeln? Oder an die 24 km noch 20 km ran hängen und damit etwas Puffer aufzubauen, den man vielleicht an heißeren Tagen gebrauchen kann. Heute sollten ja nur 34…35 Grad werden und bis zum Mittag war es wegen der Wolken noch ganz erträglich. Zeit- und kräftemäßig wäre die lange Strecke bestimmt zu schaffen, nur die Sonne könnte solch ein Vorhaben vereiteln. Da ich mir nicht schlüssig war, habe ich mit mir selbst gewettet. Wenn ich bis um 11 Uhr in Las Pedroñeras bin, laufe ich weiter, sonst bleibe ich da. Weil ich bei der Wette selbst Schiedsrichter war, habe ich auch gelten lassen, dass ich um elf zwar im Ort, aber noch nicht im Zentrum war. Etwas vorschnell habe ich daraufhin der Herbergsmutter in Las Pedroñeras per WhatsApp abgesagt, denn zwei Minuten später, am Rathaus angekommen, formierte sich gerade eine Prozession bestehend aus zwei Spielmannszügen, diversen Weinköniginnen, von vielen Männern getragenen Postamenten mit Christus-Figuren, einigen Pfarrern und vielen Einwohnern. Heute ist da wohl Patronatsfest und sogar das Rathaus hat deswegen geschlossen. Es hätte in dem ansonsten ziemlich verschlafenen Nest doch Möglichkeiten gegeben, die Zeit bis zur Herbergsöffnung zu überbrücken und sich abends zu amüsieren. Aber nun hatte ich mich bereits anders entschieden und wollte das nicht alles nochmal drehen. Da mir vom Laufen auf den Schotterwegen die Fußsohlen wehtaten, bin ich von Las Pedroñeras bis ins 10 km entlegene El Pedernoso auf der Straße gelaufen. Es wurde dabei zwar stündlich wärmer, aber ein paar letzte Wölkchen und Windböen machten die Hitze erträglich. Da habe ich schon jubiliert, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Aber das war ja nur die erste Hälfte des Bonusprogramms. Die zweite Hälfte, das heißt die letzten zehn Kilometer, gestaltete sich wirklich ätzend. Von El Pedernoso nach Santa Maria de los Llanos bin ich wieder den vorgeschriebenen Weg gelaufen, den irgendein böser Mensch über die wenigen vorhandenen Hügel geführt und alle schattenspendenden Bäume entfernt hat. Die Sonne brannte hemmungslos runter, kein Wölkchen war mehr zu sehen und nur vereinzelt gab es Windböen. Die morgens aufgetragene Sonnencreme hatte ihre Wirkung längst aufgegeben und auf den Armen zeigten sich erste Sonnenbrand-Merkmale. Wasser hatte ich zwar genug mit, aber das war längst pup-warm und weder beim Trinken noch beim Übergießen erfrischend. In Santa Maria, einem Dorf mit 668 Einwohnung fanden sich zwar Kanaldeckel mit dem Ortsnamen, aber weder ein offener Laden noch eine arbeitende Kneipe. Es war schließlich Siesta. Ich hatte zwar in einer Häuserecke eine Kneipe gefunden, aber da waren alle Rollläden runter und das Gestühl vor der Tür gestapelt. Ich habe mich deshalb im Schatten der Kirche auf einer der Bänke niedergelassen, welche die Tauben nach dem Bad im nunmehr stinkenden Brunnen als Klo benutzen. Da fiel mir auf, dass immer wieder Männer gegenüber in dieser Häuserecke verschwinden und nicht wiederkommen. Das habe ich gleich näher untersucht und festgestellt, dass sich beim Druck auf die Klinke die Tür zu einem Kneipenraum öffnet. Gerettet! In der Kneipe gab es nicht nur die erhoffte Erfrischung, sondern auch eine neu aufgefüllte Wasserflasche, welche die Wirtin sogar noch bis zu meinem Aufbruch in den Kühlschrank gestellt hat. Zu essen gab es da leider nichts, abgesehen von den üblichen Tapas zum Bier. Hier waren das u. a. Picos (kleine Brotstangen) und Chorizo-Scheiben. Lecker. Frohen Mutes habe ich mich dann auf die letzten 6 km begeben, die wegen der Hitze schlimmer waren, als die 24 km am Vormittag. Aber ich habe es geschafft und war wie angekündigt genau um sechs an der Adresse, die ich per WhatsApp genannt bekommen habe. Das war nicht die Adresse der im Pilgerführer genannten Herberge, sondern die Privatadresse der „Herbergsmutter“ Cori. Ich war erst etwas verärgert, dass jemand potentielle Gäste der auf Spendenbasis arbeitenden Herberge in ein Privatquartier für 25 € umleitet. Aber später habe ich eine Erklärung und Entschuldigung dafür gefunden. Nach ihrer Arbeit befragt, hat Cori (per Übersetzungsprogramm) erzählt, dass sie gerade arbeitslos ist, weil ihr wegen der Krankschreibung nach einem komplizierten Beinbruch von ihrem Arbeitgeber, einem Steuerbüro, gekündigt wurde. Das erklärt, warum die Pilgerherberge im Pilgerführer als „vorübergehend“ geschlossen ausgewiesen ist - mit gebrochenem Bein hat sie diese sicher nicht weiter betreuen können. Dass sie sich jetzt durch private Vermietung des Gästezimmers ihrer Wohnung ein paar Euro dazu verdient, sei ihr gegönnt. Die Unterkunft war auch wirklich gut: ein Doppelzimmer mit Benutzung des komfortablen Bades und der gut ausgestatteten Küche, in der die kleine, ganz brave Hündin „Lilly“ ihr Zuhause hat und ohne aufdringlich zu werden, stets auf Essensreste hofft. Das ist nicht jedermanns Ding, aber mich hat die Kleine nicht gestört, sondern mir mit ihren großen Augen Freude bereitet. Ich bin dann nach Dusche und Wäschetausch nochmal in Badelatschen raus, um mir im nahen „Familia“-Supermarkt Speis und Trank für den Abend und den nächsten Tag zu beschaffen. Abends gab es Spaghetti Carbonara aus der Mikrowelle und einen Cäsar-Salat, mit eingelegten Paprikastücken aufgepeppt. Fürs Frühstück habe ich ein Sechserpack kleiner Croissants mit Schinken- und Käsefüllung gegriffen. Eigentlich hätte zum Abendprogramm noch ein Besuch der Windmühlen auf dem Berggrat nordöstlich der Stadt gehört, aber das habe ich ausfallen lassen, da ich doch einigermaßen geschafft war. Es ist zwar gut zu wissen, wie viel man auch unter widrigen Bedingungen an einem Tag schaffen kann. Aber bei diesem einen Test werde ich es belassen und in den nächsten Tagen nur so viel laufen, wie man bis zum Mittag schafft, denn die Nachmittagshitze mit ihrem Maximum um 17 Uhr ist doch etwas außergewöhnlich. |
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Camino del Sureste (Teil II) - Tag 2 | ![]() |
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