Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora
Teil II, Tag 9 (Di, 8.9.2026) Von Torrijos nach Escalona (26,6 km)
Da in der Herberge in Torrijos die untere Matratze des Doppelstockbetts praktisch auf dem Boden lag, konnte nicht viel durchhängen oder quietschen. Folglich habe ich hervorragend geschlafen und bin erst nach sechs aufgewacht. Da wollte ich eigentlich schon längst unterwegs sein, um der größten Hitze zu entgehen. Aber der für heute vorhergesagte Temperatursturz kam wirklich: die Höchsttemperatur ist von 37 auf 34 Grad gefallen. Und es gab ein paar ganz kleine, dünne Schleierwölkchen, die auch dazu beigetragen haben, dass das Laufen halbwegs erträglich war. Aber ich hatte Angst, dass es mit der Zeit knapp wird, denn ich wollte vor zwei in Escalona sein, um mir dort im Rathaus den Schlüssel holen zu können. Es gibt zwar auch einen in einer Kneipe, aber ob und wann die dienstags geöffnet ist, war nicht rauszubekommen. Der Routenplaner hat gemeint, dass ich 6,5 Stunden für die 26 km brauche. Dann käme ich um halb zwei an, wenn ich um sieben aufbreche und nicht trödle. Ich bin auch zügig gelaufen und habe nur an den Tankstellen gestoppt, um mal was Kaltes zu trinken. Die Wasserflaschen hatten ja inzwischen dreißig Grad und waren nicht wirklich erfrischend.

Je näher ich dem Ziel kam, umso deutlicher hoben sich Berge aus dem flachen Land ab. Heute bin ich noch verschont worden, aber in den nächsten Tagen geht es da rüber. In Maqueda gab es mal dicht an der Straße und mitten im Ort gelegen, eine offenbar ganz gut erhaltene Burg zu sehen. Auch mein Zielort Escalona, den ich wirklich um halb zwei erreicht habe, hat schon von weitem mit einer imposanten Burgruine auf sich aufmerksam gemacht. Zudem gibt es da eine wuchtige Stadtmauer, die noch in großen Teilen erhalten ist.

Kurz vor dem Ort ging es über den Río Alberche, der zwar Wasser führt, aber sicher längst nicht so viel wie üblich. Da waren überall Sandbänke zu sehen und Familien staksten durch das nur knietiefe Wasser. Von den feinen Sandstränden ist offenbar auch bei höherem Wasserstand was zu sehen, denn Wegweiser verwiesen auf diverse Badestrände.

Das Rathaus der Stadt liegt direkt gegenüber der Burg auf dem Plateau, das die mittel­alterliche Stadt trägt. Da hieß es zum Schluss der Tour nochmal Treppensteigen. Im Rathaus habe ich dann erfahren, dass ich den Schlüssel für die Herberge in der Schule erhalte, auf deren Gelände sich die Herberge befindet. Nun habe ich mich beeilt, dass ich noch vor zwei dort bin, denn irgendwann ist ja Schulschluss. Es standen auch schon einige Eltern vor den verschlossenen Toren, um ihre Kinder abzuholen. Als sich die Tore öffneten, bin ich mit rein und eine Angestellte hat mir die Herberge aufgeschlossen und einen Schlüssel ausgehändigt. Hier ist auch wieder alles sehr spartanisch: ein großer Raum mit einem Stapel dicker Sport-Matten in der Ecke, ein paar Spinde, etwas Gestühl und in der Ecke Kühl­schrank und Mikrowelle. Dazu etwas Geschirr. Außerdem ein Bad mit warmer Dusche. Mehr braucht man eigentlich nicht für eine Nacht.

Ich hatte mich gerade in der Herberge ausgebreitet, da schließt es an der Tür und herein kommt eine Pilgerin, die den anderen Weg von Toledo nach Escalona genommen hat. Es ist eine sehr hagere Rumänin Anfang 50, die in Österreich lebt. Sie ist in Valencia gestartet und will bis Santiago. Erfreulicherweise spricht sie, durch ihren Wohnort bedingt, fließend Deutsch, so dass ich mal jemand zum Unterhalten habe. Sie läuft gerade ihren dritten Camino, einen kurz hinter dem anderen. Sie ist also auch schon von der Pilgersucht besessen. Als ich mit meiner Post fertig war, haben wir schon mal eine ganze Weile gequatscht und sind dann zum Einkaufen und/oder Essen in den Ort gelaufen. Die Herberge liegt ja etwas abseits. Sie hat ihren Schlüssel in der Kneipe im Stadtzentrum bekommen und soll ihn dort wieder in den Kasten werfen. Ich brauche meinen nur nach dem Abschließen durch ein offenes Fenster in den Flur werfen. Da kamen wir auf die Idee, dass sie ihren Schlüssel schon heute bei der Kneipe einwirft, dann muss sie morgen nicht nochmal bis in die Stadt laufen. Wenn wir nicht gerade zusammen loslaufen, dann absolviert der Letzte den besagten Schlüsselwurf auf den Flur. Wir wollen morgen beide bis ins 20 km entfernte Cadalso kommen, wo eine offene Herberge ist, wie mir gerade bestätigt wurde. Ob wir zusammen laufen oder nicht, wird sich zeigen. Sie läuft nicht gern an der Straße, was mir nichts ausmacht. Na, wir werden sehen.

Wir haben uns in der Stadt noch etwas umgesehen und die mächtige Burgruine bestaunt. Auf dem Weg zum etwas außerhalb liegenden „Dia“-Markt sind wir spontan in eine Pizzeria eingekehrt, weil es da so gut roch. Wir haben uns eine leckere Pizza kommen lassen, die in der Speisekarte als lokale Spezialität ausgezeichnet war. Die hat auch wirklich gut geschmeckt, aber leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt. Im „Dia“ haben wir dann eingesackt, was man für morgen früh und für den Weg gebrauchen kann. Am Abendhimmel war zu sehen, dass Wolken aufgezogen sind. Da wird es morgen hoffentlich nicht so heiß werden. Vorhergesagt sind nur 29 Grad, allerdings auch etwas Regen.

Camino del Sureste (Teil II) - Tag 9