Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora
Teil II, Tag 14 (So, 13.9.2026) Von Ávila nach Gotarrendura (22,7 km)
Die Radfahrer haben, als sie aus der Kneipe zurück in die Herberge kamen, zum Glück nicht rumgelärmt, sondern sind leise in ihren Betten verschwunden. So konnten wir gut schlafen und ausgeruht zeitig aufbrechen. Das war gegen halb sieben. Die Stadt schlief noch - Sonntag!

Leider war morgens die Stadtmauer-Beleuchtung nicht mehr an. Das hätte tolle Bilder von dem Aussichtspunkt „Quadro Postes“ kurz hinter der Stadt gegeben. Ohne Licht war die Stadtmauer zwar auch eindrucksvoll, aber das kommt auf den Bildern nicht rüber. Bis hinter das Autobahndreieck ging es auf der N-501 und dann weiter auf der Landstraße nach Narrillos de San Leonardo, von wo aus wir grandiose Sicht auf den Sonnenaufgang hatten. In dem kleinen Dorf spielt der Jakobsweg offenbar eine große Rolle, obwohl da nur selten jemand unterwegs ist. An einigen Häusern sind Zeichnungen von Pilgern oder Schriftzüge wie „Camino de Santiago“ angebracht. Am Ortseingang hat man extra Sitzgruppen bei einer Quelle aufgestellt. Und auch an Darstellungen einer Nonne, die vermutlich die Hl. Theresia zeigen sollen, mangelt es nicht. Hier führt nämlich auch die „Ruta Teresiana“ durch, welche Theresias Geburtsort (Ávila) mit ihrem Sterbeort (Alba) verbindet. An Markierungen, die meist genau den gleichen Wegeverlauf anzeigen, mangelt es hier nicht: rot-weiße Striche für den Fernwanderweg GR 239 , Muscheln und gelbe Pfeile für den Jakobsweg und mit „Alba“ in der einen und „Ávila“ in der anderen Richtung versehene Steine der Ruta Teresiana.

Etwa zwei Stunden nach dem Start waren schon von weitem ein Steinbruch und daneben eine Abraumhalde zu sehen. Beim Näherkommen sah man, dass der Steinbruch geflutet war und einen kristallklaren Stausee bildete. Leider war alles umzäunt. Warum, weiß ich nicht. Wenn hier keiner ins Schwimmbad geht, warum sollte er in den Stausee gehen? Ein paar hundert Meter weiter haben uns freundlich grüßend die sieben Radfahrer überholt, mit denen wir in Ávila übernachtet haben. Kurz darauf hat unser Weg die Bahnlinie tangiert und als wir an einem großen, Schatten spendenden Felsen Rast gemacht haben, waren wir ganz erschrocken, dass unter uns die Bahn durch einen Tunnel fährt.

Im nächsten Ort, Cardeñosa, sind wir kurz nach elf an einer Bar vorbeigekommen, vor der schon zwei Männer warteten. Die meinten, dass der Wirt nur aufmacht, wenn genug Kundschaft da ist. Da haben wir uns, natürlich nur aus Solidarität, zu den Wartenden gesellt. Als der Wirt zehn Minuten nach elf von seinem Balkon gesehen hat, dass schon vier Leute warten, hat er rasch aufgeschlossen. Es hat nicht lange gedauert, da waren zehn Leute in der Kneipe. Mit uns hat er allerdings kein großes Geschäft gemacht, da wir nur Kaffee bzw. ein Eis geordert haben.

Einen Ort weiter, in Peñalba, sind wir gegen 14 Uhr wieder auf eine kleine Bar gestoßen, in der gefühlt der ganze Ort zu finden war. Trotz Kommen und Gehen waren da über dreißig Leute im Raum. Die Wirtin hatte ordentlich zu tun und zwischenzeitlich haben Freunde und Verwandte hinter der Theke geholfen. Eine nette Dame, die uns ansprach, hat organisiert, dass wir was zum Essen bekommen und etwas von ihren Tapas abgegeben. Beim Essen konnten wir wählen zwischen Nichts, ein paar Tapas oder Paella in einer halben Stunde. Aus der angedrohten Wartezeit war ersichtlich, dass die Paella nicht schon tagelang im Kübel auf dem Hof rumsteht. Darum haben wir uns dafür entschieden. Als die Bestellung raus war, fiel mir auf, dass ich gar nicht gefragt habe, ob es sich um Paella mit Huhn oder mit Meeres­früchten handelt. Paella heißt es ja immer, wenn Reis im Spiel ist. Aber die Paella kam mit Hühnerbeinen und mit Meeresfrüchten. Da habe nicht mal ich was zu meckern gefunden. Das einzig ärgerliche war, dass wir vor dem Essen am Felsen über dem Bahntunnel Mittagsschlaf gehalten haben, nach dem Essen wäre der viel angebrachter gewesen.

Von Peñalba war es nicht mehr weit bis nach Gotarrendura, wo es eine kommunale Herberge gibt, in der wir übernachten wollten. Der Ort war schon zu sehen, als wir Peñalba verlassen haben, aber der Weg dorthin zog sich hin. In Gotarrendura angekommen, haben wir auch gleich die dortige Herberge am Ortseingang gefunden. Auf unseren Anruf hin kam sehr schnell die dortige Hospitalera gelaufen, welche unsere Ausweise abstempelte und uns die Herberge zeigte. Es handelte sich praktisch um das Hinterhaus einer Touristenherberge, für die man sich lange vorher anmelden muss. Es ist da zwar alles ziemlich spartanisch, aber für eine Nacht ausreichend. Die Hospitalera hat auch noch organisiert, dass die Dorfkneipe noch ein paar Minuten auf bleibt, damit wir uns da was zu Essen oder zu trinken kaufen können. Eigentlich hat die Bar bis spät abends offen, aber wenn niemand kommt, wird schon viel früher geschlossen. Und wenn die ihre Preise beibehalten, werden die jungen Wirtsleute bald gar nicht mehr aufmachen müssen.

Camino del Sureste (Teil II) - Tag 14