
![]() |
Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora | ![]() |
|
Teil II, Tag 16 (Di, 15.9.2026) Von Arévalo nach San Vicente de Palacio (24,0 km)
Heute war mit 33 Grad wieder ein heißer Tag vorhergesagt. Meine ursprüngliche Planung, die etwa 34 km bis Medina del Campo zu laufen, habe ich ganz schnell verworfen, als ich in die Wetter-App geschaut habe. Bis Astorga (am Camino Francés) werde ich es in der verbleibenden Zeit nicht schaffen. Da wären mehrere Etappen mit über 30 km zu bewältigen. Das ist bei den gegenwärtigen Temperaturen mörderisch, auch wenn es in den nächsten Tagen etwas kühler werden soll. Bis Zamora (an der Via de la Plata) zu kommen, sollte kein Problem sein, da ist sogar reichlich Puffer.
Also habe ich meine Pläne für heute so geändert, dass ich nur bis ins ca. 22 km San Vicente del Palacio laufe, wo es eine einfache Herberge gibt. Angelica wollte sogar nur 16 km bis Ataquines laufen, wo angeblich auch eine Herberge ist. Das hätte wieder die Möglichkeit geboten, sich zu separieren, aber in dem etwas abseits vom Weg, jenseits der Autobahn gelegenen Ort gab es natürlich keine Herberge. Wenigstens hatten sie dort neben der verrammelten Kirche eine Bar und in der bekam man ein kühles Getränk. Das große Halb-Liter-Glas heißt hier „Jarra“, was man wie ein altersschwacher Hund „Harra“ ausspricht. Das hat die Wirtin bei meiner Aussprache natürlich nicht verstanden, weshalb ich wieder das gut eingeübte „Uno cerveza grande, por farvor“ herauskamen musste. Im vorherigen Dorf, Palacios de Goda, hatten wir im einzigen besetzten Zimmer des kleinen Rathauses nach einem Stempel gefragt und dabei erfahren, dass die Dame am Schreibtisch die Schwester der Hospitalera in San Vicente del Palacio ist. Sie hat uns deren Adresse und Telefonnummer aufgeschrieben, was später recht hilfreich war. In Ataquines haben wir beim Kaffeetrinken in einer Bar dicht an der Autobahn auch noch den Ehemann der stempelnden Angestellten kennengelernt. Deren Schwester, Susana haben wir angerufen, als wir um viertel vier San Vicente und dort ihr Haus erreicht hatten. Sie sagte uns, dass sie noch bis um vier arbeiten muss und dass wir uns die Zeit an der nahen Autobahnraststätte vertreiben sollten, weil die Gaststätten im Dorf geschlossen sind. Die Raststätte, die zugleich Verkaufsraum der Tankstelle ist, erwies sich als ganz gut und gar nicht überteuert, wie das bei uns die Regel ist. Ich habe da sogar das geliebte Tomatentoast bekommen, das eigentlich unter „Frühstück“ gelistet war. Um vier sind wir wieder zurück zum Haus von Susana, die kurz darauf von der Arbeit kam. Sie hat uns die Herberge aufgeschlossen und eine ziemliche Enttäuschung beschert. Die Herberge befindet sich in einem Anbau der Turnhalle, was mir vorher bekannt war und die Erwartungen schon etwas gedrosselt hat. Aber dann zeigte sich, dass die „Herberge“ aus einem winzigen Raum mit einem Doppelstockbett, zwei ganz kleinen Tischen, einem großen Stapel frisch gelieferter Klappstühle (acht Kisten mit je sechs Stühlen) und einer Mikrowelle besteht. Kein Kühlschrank, kein Besteck usw. Der Waschraum, den uns die Dame aufgeschlossen hat, war halbwegs geräumig, wenn man ihn nur für die üblichen Zwecke benutzen will. Angelica war aber der Meinung, dass dieser für sie zum Schlafen besser geeignet ist, als das Zimmerchen mit dem Doppelstockbett, in dem sie keine Privatsphäre hat. Na gut, das ist ihre Sache, ich würde ihr auch in dieser Nacht nichts tun. Als sie dann feststelle, dass sich die Tür des großen Klos, in dem sie sich niedergelassen hat, nicht schließen lässt, ist sie bettelnd zu der nicht sonderlich entgegenkommenden Hospitalera, die ihr einen anderen, mit Möbelteilen vollgestellten und nach Putzmitteln stinkenden Raum aufgeschlossen hat. Dort hat sie sich nun mit ihrer Matratze niedergelassen und ich schaue im anderen Raum vom Untergeschoss des Doppelstockbettes durch das Gitterrost des Obergeschosses an die Decke. Das macht mir wirklich nichts, aber es ärgert mich maßlos, wie ein potentieller Frauenschänder dazustehen. Wer sich hier auf den Camino begibt, sollte auch mit solchen Situationen rechnen und fertig werden. |
![]() |
Camino del Sureste (Teil II) - Tag 16 | ![]() |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
![]() |
![]() |