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Unterwegs von La Roda über Toledo und Ávila nach Zamora | ![]() |
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Teil II, Tag 19 (Fr, 18.9.2026) Von Toro nach Zamora (33,9 km)
Ich habe in Toro im Kloster prima geschlafen. Dass mir nachts das Kreuz wehtat, lag sicher nicht an der Matratze, sondern eher daran, dass am Vortag wieder 35 km auf dem Tacho standen und ich viel zu viel an Getränken mit mir rumgeschleppt habe - allein drei Liter Wasser. Dabei ist es jetzt zum Glück nicht mehr so warm. Mit 23…24 Grad herrscht bestes Wanderwetter, nur der Wind ist mitunter kalt und heftig. Heute früh habe ich mir unterwegs ein zweites T-Shirt angezogen, da mir trotz Windjacke kalt war.
Ich habe heute von Toro nach Villalazan die Straße genommen, auf der ich gestern getrampt wäre, wenn ich keine Unterkunft gefunden hätte. Und weil es sich da so gut lief, bin ich bis Zamora auf der Straße geblieben. In Villalazan hat mich übrigens eine Frau angesprochen und gefragt, ob ich die Herberge suche. Sowas finde ich nett. Aber ich wollte gern die etwa 35 km bis zu meinem diesmaligen Tourziel, Zamora durchziehen. Und da wollte ich möglichst um drei sein, wenn die Herberge aufmacht, um nicht nur ein Bett zu bekommen, sondern möglichst noch ein unteres wählen zu können. Von meinem letzten Aufenthalt hatte ich in Erinnerung, dass die Doppelstockbetten dort riesig sind und in dem alten Gemäuer fast bis an die Decke reichen. Da muss man sich schon auf der vorletzten Stufe der Leiter in die Horizontale begeben, um oben ins Bett zu kommen. Trotz aller Eile und nur zwei Pausen war ich erst zwanzig Minuten nach drei da. Aber ich habe Glück gehabt und eines der letzten unteren Betten bekommen - in einem Vierbettzimmer, in dem bis dahin nur ein brasilianischer Rad-Pilger lag. Kurz nach mir kam Manfred aus Österreich, der ganz nett ist und über mir schläft (wenn er ins Bett kommt). Leider verstehe ich seinen Dialekt sehr schwer. Er ist wohl schon mal mit seiner Frau von zuhause nach Santiago gelaufen, jedes Jahr zwei Wochen. Jetzt ist er Rentner und will mal etwas längere Stücke laufen. Er fängt jetzt hier in Zamora an und will auf dem Camino Sanabres nach Santiago laufen, was aber auch nicht mehr als zwei Wochen sind. Ob das vierte Bett im Zimmer frei geblieben ist, werde ich sehen, wenn ich ins Bett gehe. Ich habe mich nämlich nach dem Stadtbummel und dem Einkauf gleich in den großen Aufenthaltsraum gesetzt, der an die Küche anschließt. Letztere macht nämlich um halb zehn zu und dann kann man da keine Getränke mehr aus dem Kühlschrank holen. Meine Sachen hatte ich schon gewaschen, nachdem ich mein Bett bezogen und ausprobiert habe. Die sind längst trocken. Ich darf nachher nicht vergessen, sie von der Leine zu nehmen. Gegen fünf bin ich vorhin in „die Stadt“ gezogen, die nur eine Querstraße entfernt ist, weil die Herberge zu Füßen der St. Cyprian-Kirche und damit fast mitten in der City liegt. Kurios ist an der Herberge, dass die Etage, auf der man sie betritt, auf der anderen Seite des Hauses im zweiten Stock liegt. In der Etage darunter sind die Schlafräume und darunter sind Küche und Aufenthaltsraum. Letzterer hat einen langen Tisch, an den mindestens die Hälfte der max. 32 Pilger passt. In der Stadt findet an diesem Wochenende ein großes „Frestival“ statt, weshalb ich ja in Toro solche Probleme hatte, eine Unterkunft zu bekommen. Hier sind so viele Leute auf der Straße, dass man sich fragt, wie viele andere Orte sie auch noch in Beschlag genommen haben. Die ganze Hauptstraße der Innenstadt (Rua de los Francos / Calle de Ramos Carrion), die Plaza Mayor und der Bereich um die Kathedrale stehen voller Verkaufsstände, in denen alle möglichen Köstlichkeiten angeboten werden, vor allem Käse. Da natürlich vorrangig spanische Sorten, aber auch Schweizer Käse und französischer Roquefort. Ich habe mich bemüht, von den angebotenen Häppchen satt zu werden, was zwar geklappt hat, aber mühselig war. Wie auf der Grünen Woche werden die Kostproben auch hier immer seltener und kleiner. Aber auch zwei bis sechs kleine Käsewürfel pro Stand machen bei der Vielfalt des Angebotes satt. Da ich mich bei manchen auf dem Weg zur Kathedrale verkosteten Sorten gar nicht mehr an den Geschmack erinnern konnte, habe ich diese auf dem Rückweg nochmal verkostet. Das hat wirklich satt gemacht und ich befürchte, dass nicht alle Käsesorten fettreduziert waren. Da es zwischendurch auch Salamischeiben, Oliven und Picos gab, war das sogar ein sehr ausgeglichenes Mahl. Ein paar Likörproben haben zudem bei der Verdauung geholfen. Leider waren auf der Fressmeile keine Brauereien vertreten, weshalb ich mein geliebtes Getränk käuflich erwerben musste. Nach dieser Völlerei fiel mein abendlicher Einkauf im „minymas“ sehr dürftig aus. Für heute Abend benötige ich nichts mehr und morgen früh gibt es in der Herberge Frühstück. Aber morgen ist Sonntag, da brauche ich was für den Abend und den folgenden Morgen. Was ich morgen mache, weiß ich allerdings noch nicht. Meine geplante Tour ist hier in Zamora zu ende. Ich habe die Via de la Plata erreicht, die ich schon mal von Sevilla nach Santiago gelaufen bin. Von hier wollte ich eigentlich am Dienstag nach Madrid fahren, von wo ich am Mittwoch nach Berlin fliege. Nun bin ich aber ein paar Tage zu früh und weiß noch gar nicht, wie ich mir die verbliebene Zeit vertreibe. Eine Alternative wäre, gleich morgen nach Madrid zu fahren und dort etwas zu laufen, zum Beispiel auf dem Camino Uclés, von dem ich erst in Ávila erfahren habe. Der führt von Madrid zum 144 km entfernten Kloster Uclés südöstlich von Madrid. Den würde ich aber nicht komplett schaffen. Vier Tage in Madrid rumzugammeln, habe ich auch keine Lust, zumal da heute keine preiswerten Unterkünfte für die nächsten Tage zu haben waren. Für die Nacht vor dem Rückflug habe ich noch ein billiges Hostel buchen können. Ich denke, dass ich hier noch zwei, drei Tage auf der Via de la Plata laufen und spätestens am Dienstag nach Madrid fahren werde. Ich weiß nur noch nicht, in welche Richtung ich am besten laufe. Vielleicht fällt mir im Schlaf was ein … |
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Camino del Sureste (Teil II) - Tag 19 | ![]() |
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