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Unterwegs in der Umgebung von Madrid | ![]() |
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Teil II, Tag 21 (So, 20.9.2026) Auf dem Camino Uclés von Madrid nach Arganda del Rey (37,3 km)
Da sich das Hostel als zwar einfach, aber brauchbar erwies, habe ich beschlossen, auch die nächsten zwei Nächte dort zu bleiben. Für die letzte Nacht hatte ich schon woanders gebucht. An der Rezeption hat man mir empfohlen, direkt auf der Webseite des Hostels zu buchen. Dort waren die Preise tatsächlich fast 20% günstiger als bei Hostelworld - mein Bett kostet da in der Woche nur 9,90€ pro Nacht. Weil ein Bett in einem kleineren Zimmer nur wenig mehr kostet, habe ich über ein Upgrade nachgedacht. Aber dann hätte ich aus- und wieder einchecken und mein Gepäck tagsüber deponieren müssen. Da habe ich lieber mein Bett behalten, zumal ich dort trotz 10 Personen im Raum gut geschlafen habe. Zudem hatte ich auf den Raumplan gesehen, dass die kleinen Zimmer fast alle zum äußerst lebendigen Platz vor dem Hostel zeigen, während meins seine Fenster zu einem großen, ruhigen Innenhof hat.
So konnte ich morgens mein Zeug unters Bett schieben und loslaufen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, von Madrid aus ein oder zwei Tage zu laufen, um nicht aus dem Tritt zu kommen. Ein Jakobsweg wäre mir da am liebsten, aber den Camino de Madrid, der über Segovia nach Sahagun am Camino Francés führt, bin ich ja schon gelaufen. Da gibt es aber noch dem Camino Uclés, der wie gesagt von Madrid ins 144 km südöstlich gelegene Kloster Uclés führt. Ein alter Pilgerweg. Da der nicht nach Santiago, sondern genau entgegengesetzt führt, ist das eigentlich kein Jakobsweg. Aber man hat einfach den Rückweg mit Muscheln bzw. gelben Pfeilen markiert und zum Jakobsweg erklärt. Die Richtung stimmt und der Weg ist ein guter Vorspann für den Camino de Madrid. Ich bin morgens um sieben aufgebrochen und zur Santiago-Kirche gelaufen, die auch Startpunkt für diesen Weg ist. Unterwegs wollte ich einen Café con leche trinken, weil die Küche im Hostel noch verschlossen war, als ich losgezogen bin. Es war aber gar nicht so einfach, um halb acht eine offene Bar zu finden, denn viele hatten gerade erst geschlossen. Die dabei rausgekehrten Kneipenbesucher bevölkerten nun die Gassen. Zwischendurch die bösen, aber fleißigen Frauen, die an die Nachtschicht noch eine zweite ran hängen wollten. Irgendwo fand sich dann doch am Wegesrand eine Bar, in der ich meine morgendliche Koffein-Dosis bekam. An der Santiago-Kirche am gleichnamigen Platz fanden sich tatsächlich Wegweiser für den Camino nach Santiago und den Camino Uclés, letztere mit dem sogenannten Santiago-Kreuz, welches das Symbol dieses Weges ist. Am Königspalast und an der Kathedrale vorbei und dann auf Serpentinen bergab ging es zum Río Manzanares, der im Westen der Stadt von Nord nach Süd fließt. Die am rechten Ufer verlaufende Schnellstraße hat man gedeckelt und darauf einen sechs Meter breiten, asphaltierten Fuß-/Radweg angelegt, auf dem am Sonntagmorgen unzählige Jogger und Radfahrer unterwegs waren. Am Rand einer Nationalstraße läuft man weniger gefährlich. Beidseits des Weges gab es aber breite Sandstreifen mit vielen Pinien, teilweise mit Spiel- oder Fitnessplätzen, auf die man ausweichen konnte, wenn man mal zum Foto grafieren anhalten wollte. Auf der rechten Seite gab es zunächst nicht viel zu sehen, nur zehngeschossige, vielleicht 50 Jahre alte Wohnblocks, die in den gleichen Bögen dem Fluss und dem Weg folgten. Am anderen Ufer hätte es auch einen Wanderweg gegeben, der vielleicht sogar schöner gewesen wäre, da er mehrere Parks tangiert. Einige kleine Fußgängerbrücken führen von einem Ufer zum anderen, davon drei, die unter sich ein Wehr haben. Zwei vertikal schwenkbare Tore können den Fluss, der momentan nur wenige Zentimeter Wasser führt, aufstauen. Zwischen den Toren ist eine kleine, mit einem pagodenähnlichen Häuschen überbaute Schleuse. Die ist so klein, dass man bei einem Ruderboot die Ruder reinnehmen müsste. Des Königs Galeere hat da sicher nicht reingepasst. Wie aus dem Baumbestand in der unteren Ausfahrt aller Schleusen zu schließen ist, sind die schon lange nicht mehr in Betrieb. Aber die Hydraulik der Schleusentore sieht ziemlich neu aus, was sicher dem Hochwasserschutz geschuldet ist. So wie ich es schon hier in Madrid und in anderen großen Städten gesehen habe, reicht die mehrgeschossige Bebauung bis an den Stadtrand und da ist dann urplötzlich Schluss. Da gibt es keinen fließenden Übergang mit Reihen- und Einfamilienhäusern. Die Bewohner des letzten Hochhauses schauen auf die Steppe. Irgendwo in Höhe des Stadtrands teilte sich der Weg in separate Fuß- und Radwege, führte aber weiter dicht am Flüsschen gen Süden. Ebenso am anderen Ufer. Hinter der vierten Autobahnunterquerung war dann erstmal Schluss mit der Idylle. Dann weitete sich das Tal zu einer großen potentiellen Überflutungsfläche und der Weg wechselte auf eine staubige Trasse entlang der Bahnlinie und über diese hinweg. Hier wird derzeit ein neues Eisenbahnkreuz gebaut. Eine zweigleisige Regionalbahnstrecke soll hier die viergleisige Schnellzugstrecke im spitzen Winkel kreuzen. Man ist gerade dabei, zwischen den Schnellzuggleisen die Brückenpfeiler zu setzen. Das ist hier kein Grund dafür, den ganzen Verkehr lahmzulegen. Man hat Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgestellt und der AVA fährt, zwar auf 80 km/h gebremst, durch die Baustelle, haarscharf an den Baugerüsten vorbei. Jenseits der Bahnlinie ging es dann einige Kilometer durch eine Steppenlandschaft, links hügelig, rechts flach. Bei Kilometer 26,6 traf ich in Rivas-Vaciamadrid erstmals wieder auf Zivilisation. Hinter der Autobahn waren große Einkaufszentren zu sehen, in denen sicher auch sonntags was zu haben gewesen wäre. Aber es gab keine Möglichkeit, die Autobahn zu überquerend. Erst am Südende des Ortes, wo lt. Karte nichts mehr los ist, gab es eine Fußgängerbrücke und eine Unterführung. Da ich keine Lust hatte, im Ort nach einem geöffneten Geschäft zu suchen, habe ich mich in einer eingezäunten und damit schwer zu erreichenden Autobahntankstelle mit Getränken für sofort und für später eingedeckt. Die für sofort habe ich noch in der Tankstelle konsumiert, denn dort konnte ich auch meine Geräte aufladen. Weiter ging es dann entlang einer Bahnstrecke zu Füßen von Felsen, die wie eine eingetrocknete Kleckerburg aussahen. Auf einem Stück dieser Strecke liegen sogar noch Gleise, wie ich meine, mit 1000 mm Spurweite. Die führen zusammen mit dem Weg auf einer gut in Schuss gehaltenen Brücke über den Río Jarama und enden am Ortseingang von La Poveda auf einem Museumsbahnhof. Im Frühjahr und im Herbst (ab Oktober) werden da auch Museumsfahrten mit einer Dampflok durchgeführt. Hinter diesem Bahnhof führte der Weg weiter auf der nunmehr schienenlosen Trasse nach Arganda del Rey hinein. Hier habe ich vorerst Schluss gemacht und mich zur U-Bahn (Linie 9) begeben, die mich wieder ins Zentrum von Madrid gebracht hat. |
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Camino del Sureste (Teil II) - Tag 21 | ![]() |